Der FDP-Politiker Michael Theurer, 55, ist Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und dort Bahnbeauftragter. Bei einem Besuch unserer Redaktion spricht er über die Chancen für die Bahn in Zeiten explodierender Spritpreise und Versäumnisse Bayerns bei der Bahn.
Rechnen Sie damit, dass wegen steigender Energiepreise auch die Bahntickets teurer werden?
Natürlich spiegelt sich diese Entwicklung auch bei der Bahn wider, dennoch werden die Preise kurzfristig stabil bleiben. Mittel- bis langfristig rechne ich mit Preisdruck auch bei den Tickets. Wir entlasten die Bürger durch eine Streichung der EEG-Umlage und eine höhere Pendlerpauschale, dennoch kann der Staat das geopolitisch bedingte Ansteigen der Energiepreise nicht auf Dauer durch Subventionen kompensieren. Besser als Preise zu subventionieren, ist es zu investieren, um sich von Gas- und Ölimporten unabhängiger zu machen, etwa durch regenerative Energien.
Wie wird sich Mobilität angesichts höherer Energiepreise ändern?
Die Menschen werden sich angesichts hoher Benzinpreise überlegen, ob sie umsteigen. Das ist eine Chance für die Schiene.
Die Bahn ist überschuldet. Werden die britische DB-Tochter Arriva und DB Schenker endlich verkauft?
Einspruch. Die Bahn hat ein hervorragendes Rating. Die Entscheidung, welche Beteiligungen strategisch erforderlich sind, ist Aufgabe der Unternehmensleitung. Wenn Beteiligungen nicht erforderlich sind, ist es auch sinnvoll, Verkaufschancen wahrzunehmen. Unser Leitbild ist, dass Züge profitabel in verdichteten Netzen fahren.
Ist ein Börsengang der DB tabu?
Er steht nicht im Koalitionsvertrag, insofern Ja.
Soll die Bahn lieber mit Atom- oder Kohlestrom fahren?
Mir ist es am liebsten, wenn sie mit Ökostrom fährt. Das macht sie im Fernverkehr zu 100 Prozent, im Nahverkehr zu 50 Prozent. Es ist wichtig, dass wir beim Ausbau der regenerativen Energien einen Riesenschritt vorangehen. Wenn das gelingt, dann gibt es für die Schiene einen Wettbewerbsvorteil.
In der Union gibt es Stimmen, die drei bestehenden Atommeiler länger laufen zu lassen. Ihre Antwort?
Der Bundeswirtschafts- und Klimaminister hat diese Frage geprüft und rät ab. An die Adresse von Markus Söder sage ich: Bayern muss endlich seine Nord-Süd-Stromleitungen ausbauen, damit der klimaneutrale Windstrom aus dem Norden auch im Süden ankommen kann. Wind- und Solarstrom ist in Bayern gelinde gesagt auch noch ausbaufähig.
Bayern verlangt mehr Tempo beim Ausbau der Brenner-Zulaufstrecke der Bahn im Inntal. Was antworten Sie?
Die Planungszeiträume insgesamt sind zu lang. Planungsbeschleunigung ist ein zentrales Thema der Ampelkoalition. Ein Planungszeitraum von zehn Jahren, eine Bauzeit von fünf Jahren – das ist aktuell realistisch. Wir setzen auf konstruktiven Dialog mit den Menschen vor Ort, warnen aber vor falschen Hoffnungen.
Markus Söder plädiert neuerdings für eine höhere Lkw-Maut zwischen München und Verona. Stimmen Sie zu?
Die Verve, mit der der Ministerpräsident in die Debatte einsteigt, verwundert. Davon hat man in den zwölf Jahren, in denen die CSU das Bundesverkehrsministerium führte, nichts gespürt. Es wird Gespräche zwischen der österreichischen Regierung und unserem Ministerium geben. Wir wollen einer höheren Maut aber nicht das Wort reden, für uns hat eine intelligente Verkehrslenkung Priorität.
Interview: Dirk Walter