MIKE SCHIER
Es war die vielleicht letzte Gelegenheit, sich auf die richtige Seite zu schlagen: Doch auch zum Ende des Volkskongresses präsentierte sich China treu an der Seite Russlands, dem es „legitime Sicherheitsinteressen“ in der Ukraine bescheinigt. Das Bündnis gegen die Nato, das Wladimir Putin und Xi Jinping zu Beginn der Olympischen Spiele geschlossen hatten, hält offenbar. Wir Europäer müssen deshalb die Globalisierung neu denken – gerade in wirtschaftspolitischer Sicht ändert sich vieles.
Das deutsche Energie-Dilemma durch die Abhängigkeit von Russland zeigt eindrucksvoll, zu welch scharfem Schwert sich solche vermeintliche Soft Power entwickeln kann. Noch vor einigen Jahren wunderte man sich hierzulande, als der damalige US-Präsident Donald Trump den Smartphone-Hersteller Huawei an den Pranger stellte. Erst allmählich wuchs die Erkenntnis, dass es vielleicht doch eine gute Idee sein könnte, den Chinesen beim Ausbau hiesiger 5G-Netze genau auf die Finger zu schauen. Auch bei Firmenübernahmen, die Talente und Wissen nach China transferieren, war man lange Zeit zu naiv. Spätestens jetzt muss man die deutschen Abhängigkeiten genau durchleuchten, beispielsweise auch bei medizinischen Produkten. Die Pandemie lässt grüßen.
Die russisch-chinesische Achse stellt die bisherige Weltordnung infrage. Dass sich beide Staaten Einflusssphären und Rohstoffreserven beispielsweise in Afrika sichern, ist keine neue Erkenntnis. Doch der Westen braucht gemeinsame Strategien, wie man damit umgeht. Außenministerin Annalena Baerbock hat eben am Westbalkan erlebt, wie nahe uns das Problem kommt. Die EU kann diese Fragen nicht ewig aufschieben.
Mike.Schier@ovb.net