Immer wieder ist die Rede von „Putins Krieg“. Dabei ist längst auch das Lukaschenko-Regime zum Aggressor geworden: Durch den belarussischen Machthaber war es Putin erst möglich, die Ukraine auch von Norden anzugreifen. Mittlerweile behandelt die EU auch Belarus als Kriegspartei und kündigt den Ausschluss dreier belarussischer Banken aus dem Zahlungssystem Swift an. Die Sanktionen sind wichtig – aber sie kommen zu spät. Und sie treiben Lukaschenko immer weiter in Putins Arme.
Die EU hat jahrelang zugeschaut, wie ein Diktator mitten in Europa Wahlen manipuliert, Massenproteste brutal niederschlagen lässt, eine Migrationskrise an der EU-Grenze inszeniert – und sich immer weiter in Abhängigkeit von Russland begibt. Dass Lukaschenko zu einer Marionette Putins wird, war abzusehen.
Ob Lukaschenko – früher Vermittler zwischen der Ukraine und Russland – wirklich sein Land als Aufmarschgebiet hergeben wollte, kann aber bezweifelt werden. Warum also nicht das Team Putin entzweien? Einen Keil zwischen Russland und Belarus zu treiben, könnte aus strategischer Sicht sinnvoll sein. Die EU muss sich entscheiden: Sie kann Lukaschenko eine zweite Chance geben und ihm klarmachen, dass sich Putin in seinen Plänen verrannt hat. Oder sie stempelt Belarus als Feind ab. Darunter würden vor allem die belarussischen Bürger leiden: Denn die werden gerade von einem Präsidenten, den sie nie gewählt haben, in den Krieg gezogen.
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