Vor der Wahl in Frankreich

Ziemlich siegessicher

von Redaktion

MARCUS MÄCKLER

Das ist mal innovativ: Statt den Leuten das Blaue vom Himmel zu versprechen, kündigt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für den Fall seiner Wiederwahl eine große Zumutung an: Er will das Renteneintrittsalter erhöhen, von 62 auf 65 Jahre. Das lässt zweierlei Interpretationen zu: Entweder will er sein Amt unbedingt loswerden – oder er ist schon jetzt ziemlich siegessicher.

Letzteres ist der Fall: Der innenpolitisch viel gescholtene Macron hat in den vergangenen Wochen an Zuspruch gewonnen. Grund ist seine Rolle im Konflikt um die Ukraine: Macron übernahm in der Krise – übrigens auch ermöglicht vom zunächst schockgefrorenen deutschen Kanzler – früh die Führungsrolle in Europa und gilt als einer der wenigen, dem der Aggressor im Kreml noch zuhört. Die Franzosen versammeln sich nun verständlicherweise lieber um ihn als um die rechte Konkurrentin Marine Le Pen, die kürzlich noch in aller Hektik Wahlkampfbroschüren mit Putin-Bild vernichten ließ.

In dieser halbwegs komfortablen Lage ist es nicht ungeschickt, sich die ohnehin geplante und wegen Corona ausgesetzte Rentenreform vom Wähler gleich mit absegnen zu lassen. Gemessen an der Radikalreform, die Macron nach seiner ersten Wahl 2017 plante, ist die Erhöhung des Rentenalters im Übrigen ein vergleichsweise milder, weil durchsetzbarer Schritt.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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