Schneller als im kriegsgebeutelten Europa fallen die Aktienkurse derzeit nur in Russland – und interessanterweise auch im sich so selbstbewusst gebenden China. Das hat gute Gründe. Das Riesenreich steckt inmitten einer gewaltigen Immobilienkrise. Das Wachstum hat sich zuletzt spürbar abgeschwächt. Und jetzt zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Machthaber die Kontrolle über die Corona-Pandemie verlieren. Die hochansteckende Omikron-Variante entzieht sich der drakonischen Null-Covid-Strategie der Regierung. Der chinesische Impfstoff ist so gut wie unwirksam gegen Omikron. Riesige Metropolen wie Shenzhen und Shanghai sind im Lockdown, Lieferketten reißen erneut ab.
Für Chinas kommunistische Partei ist der Krisen-Cocktail Grund zu höchster Beunruhigung. Ihre Macht gründet auf dem Versprechen wirtschaftlicher Prosperität. Für den Westen bedeutet der aktuelle Schwächeanfall Chinas ein Risiko, aber auch eine Chance: Staatschef Xi mag es zwar gefallen, wie rasant Putins Russland gerade zum Vasallen Chinas absteigt. Allzu eng dürfte die sino-russische Bruderschaft trotzdem nicht werden. Chinesische Militärlieferungen an Russland würde der Westen unzweifelhaft mit scharfen Wirtschaftssanktionen beantworten. Diese kann sich das Regime in Peking aktuell kaum leisten. Es besteht Grund durchaus zu der Erwartung, dass Peking irgendwann die Geduld mit dem immer grausamer geführten Krieg seines Verbündeten in Moskau verliert und auf Frieden drängt.
Georg.Anastasiadis@ovb.net