Protest-Aktion gegen Putin

Die Zweifel der Russen

von Redaktion

KLAUS RIMPEL

Die Hoffnung, dass ein Putsch Wladimir Putin hinwegfegt und so dieser Krieg beendet wird, dürfte ein frommer Wunsch bleiben. Denn selbst wenn es beim russischen Geheimdienst und beim Militär massive Vorbehalte gegen die Invasion in die Ukraine geben sollte, selbst wenn es stimmt, dass sogar hochrangige Sicherheitsberater nicht in Putins aggressive Pläne eingeweiht waren: Das Beharrungsvermögen des auf Angst und Unterdrückung basierenden Kreml-Systems ist groß.

Aber auch wenn eine mutige Aktion wie die der Staats-TV-Mitarbeiterin mit ihrem Protest-Plakat zur besten Sendezeit nicht gleich zum Umsturz führt: Es sind Schubser, die die Stimmung zum Kippen bringen! Wenn die Diskrepanz zwischen Propaganda und Wirklichkeit allzu groß wird, dann dreht sich der Effekt der Propaganda ins Gegenteil. Eine Mutter, der täglich im Staats-TV gesagt wird, es gebe keinen Krieg, und die dann die Todesnachricht ihres in der Ukraine gefallenen Sohnes erhält, wird nichts mehr glauben. Russen, die ihre Arbeit verlieren, weil ihre westliche Firma das Land verlässt, werden ins Zweifeln kommen. Die Kreditkarte funktioniert nicht mehr, bestimmte Waren gibt es nicht mehr – all das sind stete Tropfen, die die Kreml-Lügen aushöhlen. Der Krieg wird in Russland mit jedem Tag ohne Sieg unpopulärer. Das könnte Putin zu einer Verhandlungslösung zwingen – zumindest diese Hoffnung sei erlaubt.

Klaus.Rimpel@ovb.net

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