Tankrabatt und Tempolimit

Energiesparen: Mehr Kreativität bitte!

von Redaktion

DIRK WALTER

Egal was man davon hält: Mit seinem Tankrabatt hat Finanzminister Christian Lindner Freund wie Feind überrascht. So viel Kreativität würde man sich allerdings auch an anderer Stelle wünschen, beim Energiesparen zum Beispiel. Da gibt es bisher außer dem allgemeinen Appell, doch vielleicht mal die Heizung etwas runterzudrehen, wenig Sinnvolles. Ältere Semester erinnern sich aber vielleicht an das Jahr 1973, als der Jom-Kippur-Krieg zu einer Ölkrise führte. Damals hat die Politik schnell reagiert, es gab vier autofreie Sonntage, einige Monate Tempo 100 auf den Autobahnen. Größere Proteste sind nicht überliefert, Deutschland hat es überlebt.

Schon klar: Wirklich effektiv sind langfristige Maßnahmen: Wärmedämmung, Ausbau der Schiene, E-Mobilität. Das dauert, ist teuer und manchmal umstritten. Verzicht hingegen ist sofort umsetzbar. Es schärft das Bewusstsein. In einer Krisenzeit lebt man nicht in Saus und Braus. Man ist sparsam. Man muss kein Freund eines allgemeinen Tempolimits sein, um zu wissen, dass es Benzin spart. Warum kein Tempo 100 für drei Monate auf bestimmten Strecken? Oder mal einen autofreien Sonntag in Großstädten? Wann, wenn nicht jetzt? Anderes Beispiel: In Neuseeland hat die Regierung gerade als Reaktion auf die Krise die Spritsteuer gesenkt, aber auch die Ticketpreise für Bus und Bahn halbiert. Nachahmer herzlich willkommen! Da trifft es sich gut, dass MVV und S-Bahn im April ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Ein Monat MVV zum halben Preis würde geschätzt 25 Millionen Euro kosten. Das zahlt der Bundesfinanzminister aus der Portokasse.

Dirk.Walter@ovb.net

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