München – Es sind einfach zu viele. Wer einen positiven Corona-Test erhält, muss sich schon jetzt oft selbst darum kümmern, dass das Gesundheitsamt sich der Sache annimmt. Geht es nach Andreas Kaunzner, sollte auch das bald in den meisten Fällen überflüssig werden. Der Vorsitzende des Ärzteverbands Öffentlicher Gesundheitsdienst in Bayern ist dafür, dass die Ämter nicht mehr jeden Corona-Fall erfassen müssen. „Ich persönlich wäre froh, wenn wir die Ressourcen effektiver nutzen könnten“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. „Dazu wäre es wichtig, dass man sich auf die vulnerablen Gruppen wie Senioren oder chronisch Kranke konzentriert.“ Viele der 76 Gesundheitsämter im Freistaat kämen schon jetzt nicht mehr mit der Meldung hinterher, sagt Kaunzner. Eine Kontaktverfolgung sei eh seit einiger Zeit nicht mehr möglich.
Angesichts der derzeit vielen, aber meist leichteren Infektionen stehen auch die Quarantäneregeln zur Disposition. Ein Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums und des Robert-Koch-Instituts (RKI) sieht nun eine Verkürzung auf fünf Tage vor – statt bisher zehn Tagen mit Freitestmöglichkeit nach sieben Tagen. Infizierte sollen freiwillig Kontakte reduzieren und – beginnend nach fünf Tagen – wiederholt Tests oder Selbsttests machen. Eine „strenge Isolierung“ soll es nicht mehr geben. Auch die Quarantäne für Kontaktpersonen soll demnach nur noch fünf Tage dauern.
Für Beschäftigte im Gesundheitswesen und der Pflege soll ebenfalls die Fünf-Tage-Regel gelten. Für das Beenden einer Isolierung wegen einer Infektion sieht der Vorschlag allerdings vor, dass sie zuvor 48 Stunden ohne Symptome sein müssen. Zudem sollen sie einen negativen Test vorlegen, der frühestens am fünften Tag abgenommen werden kann.
Für Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) ist das angesichts massiver Personalausfälle in den Kliniken nicht genug. Er fordert vom Bund weitere Erleichterungen auch für Krankenhausbeschäftigte. Holetschek ist dafür, dass „Beschäftigte, die klinisch gesund sind und bei denen keine Ansteckungsgefahr besteht, jedenfalls bei extremer Personalnot in den Krankenhäusern von der Isolation ausgenommen werden“. Konkret schlägt er vor, „dass bei initial positiver PCR-Testung und Symptomfreiheit eine Weiterarbeit möglich sein sollte, wenn der Ct-Wert über 30 liegt. Denn bei hohen Ct-Werten besteht keine Ansteckungsgefahr.“ Im Anschluss solle der Wert drei Tage lang mit PCR-Tests kontrolliert werden. „Dieses Vorgehen halte ich auch bei der Beendigung einer Isolation für sinnvoll: Die Isolation sollte bereits nach 48 Stunden Symptomfreiheit mit einem negativen PCR-Test beendet werden können“, sagt Holetschek. „Darüber hinaus sollte die Wiederaufnahme der Arbeit auch dann möglich sein, wenn dieser PCR-Test zwar positiv ist, aber einen Ct-Wert über 30 hat.“
Weiter scharfe Kritik gibt es am weitgehenden Auslaufen der Schutznahmen trotz nach wie vor hoher Inzidenzwerte. Er rechne deswegen mit einer stärkeren Ausbreitung des Virus, sagt der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen gegenüber ntv. In den Osterferien werde dann „mit Mobilität das Infektionsgeschehen noch mal weiter angefacht“. Weil auch viele Masken fallen, könne das bedeuten, „dass wir damit diese Welle noch mal etwas verlängern“, warnt Dahmen. Er erwartet mehr Klinikeinweisungen und Tote.
Lauterbach hatte angeregt, dass beispielsweise Supermärkte ihr Hausrecht nutzen könnten, um die Maskenpflicht auch nach dem 2. April aufrechtzuerhalten. Doch die Bereitschaft scheint gering. Edeka, Rewe und die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) haben bereits klargemacht, dass sie keine eigene Maskenpflicht erlassen wollen. Auch Aldi Süd wird eine Maskenpflicht in seinen Filialen wohl nicht selbst per Hausrecht durchsetzen. Man halte sich selbstverständlich an die geltenden Schutzverordnungen. Werde darin keine Pflicht vorgeschrieben, behalte man sich eine Empfehlung an Kunden und Mitarbeiter vor, freiwillig weiter Maske zu tragen, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung.