Weiter Streit um Ökoflächen

von Redaktion

Bund will keine Freigabe für konventionelle Landwirtschaft

Berlin – Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hat Ungarn in der Debatte um drohende Nahrungsmittelengpässe vor Protektionismus als Reaktion auf den Ukraine-Krieg gewarnt. „Ich rate allen Staaten, hier vernünftig zu agieren. Ich sage das auch an die Adresse des EU-Mitglieds Ungarn“, sagte der Grünen-Politiker der Funke Mediengruppe. „Wer seine Märkte schließt, handelt wie ein Brandbeschleuniger. Wenn das alle machen, fahren wir gegen die Wand. Dann schießen die Preise durch die Decke.“

Im Streit über den Umgang mit Brachflächen in der Landwirtschaft unterstützt Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) den Vorschlag Özdemirs, ökologische Vorrangflächen in diesem Jahr für Futtermittel zu nutzen. Es gehe hauptsächlich um Flächen, auf denen schon jetzt der Anbau von Zwischenfrüchten erlaubt sei. „Die Ausnahme, die nur für dieses Jahr gelten soll, erlaubt nun auch die Nutzung dieser Zwischenfrüchte als Futtermittel.“ Eine allgemeine Freigabe der ökologischen Vorrangflächen inklusive des Pestizideinsatzes sei nicht sinnvoll, sagte Lemke. Aus Sicht von unions- und SPD-geführten Ländern sollten brachliegende Agrarflächen zeitweise auch für den Anbau zur Lebensmittelversorgung freigegeben werden. Doch die Grünen sehen das anders.

Aus Sicht von Lemke gibt es effektivere Maßnahmen: Man müsse „insgesamt unsere Flächennutzung neu bewerten“. Mehr als die Hälfte der Ackerflächen werde zum Anbau von Tierfutter genutzt. 60 Prozent des angebauten Getreides würden verfüttert. Darüber hinaus würden Flächen für Anbau von Pflanzen wie Raps für den Tank genutzt. „Da stellt sich schon die Frage, ob das sinnvoll ist.“

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