Die zarten Hoffnungen waren am Ende nur westliche Fantasie: Viktor Orbán hat der Opposition keine Chance gelassen und die Wahl in Ungarn deutlich gewonnen. Er wird zweifelsohne sein Lebens-Projekt, die autoritäre Transformation des Landes, mit Konsequenz fortsetzen. Ungarn, man muss das so hart sagen, droht mit dieser Wahl, den Anschluss an den Rest der EU völlig zu verlieren.
Wie groß die inhaltliche, aber auch die ethische Kluft inzwischen ist, zeigte der Sieger am Wahlabend. Da rühmte er sich, gegen den (angeblich linken) Westen und letztlich auch gegen den ukrainischen Präsidenten Selenskyj gewonnen zu haben, der es zuvor gewagt hatte, Beistand von Ungarn zu fordern. In solches Triumphgeheul ausgerechnet an dem Tag auszubrechen, da das russische Massaker im Kiewer Vorort Butscha in all seiner Brutalität öffentlich wurde, ist abscheulich und ein Beleg jener moralischen Verkommenheit, die der Nationalist Orbán für Stärke hält.
Die Ungarn haben sich nicht nur für ihn, sondern auch für die weitere Isolation ihres Landes in der EU entschieden. Schwer vorstellbar, wie Brüssel und der kraftstrotzende Halb-Autokrat und Putin-Streichler in Budapest noch zusammenarbeiten wollen. Es wird zu einer weiteren Entfremdung kommen – Ausgang ungewiss.
Marcus.Maeckler@ovb.net