Karl Lauterbach bleibt ein Mann der Widersprüche. Der ständig zur Vorsicht mahnende Gesundheitsminister verkündet nun gleichzeitig die De-Facto-Aufhebung der Corona-Quarantäneregeln.
Ab Mai kann ein Infizierter mit Symptomen damit völlig legal und ohne Maske in den Supermarkt gehen und dort wissentlich seine Mitmenschen der Infektionsgefahr aussetzen. Das dadurch vergrößerte Risiko mag, so lange wir über Omikron reden, für gesunde Menschen eines sein, mit dem die meisten noch halbwegs leben können – insbesondere wer geimpft ist, wird eine Infektion mit dieser Variante oft ohne gravierende Folgen überstehen. Wer sie schon durchlebt hat, wird sie trotzdem ungern wiederholen. Und für Risikopatienten oder Menschen, die sich nicht impfen lassen können, wird das Leben ab 1. Mai konkret gefährlicher.
Klar ist: Keine Einschränkung darf länger gelten als nötig. Es ist auch deshalb richtig, angesichts vieler milderer Verläufe die Quarantäne zu lockern. Doch es ist das falsche Signal, von der eigentlich selbstverständlichen Devise „wer infiziert ist, bleibt zuhause“ abzukehren. Dass, wie Lauterbach anbringt, die Ämter das ohnehin kaum noch kontrollieren, ist ein schwaches Argument. Denn unsere Gesellschaft fußt in vielen Bereichen darauf, dass die meisten auch ohne durchgehende Kontrolle eigenverantwortlich essenzielle Regeln befolgen. Deshalb halten wir auch dann an roten Ampeln, wenn die Kreuzung frei aussieht. Was, wenn es freiwillig wäre?
Sebastian.Horsch@ovb.net