China-Politik

Die große Herausforderung

von Redaktion

PIA ROLFS

China ist wieder ins Blickfeld Europas gerückt – hauptsächlich als Akteur, der Einfluss auf Russland im Ukraine-Krieg nehmen soll und doch nicht will. Doch so verständlich die Konzentration der Europäer auf den eigenen Kontinent ist: Es lohnt sich, genauer auf jene Entwicklungen zu schauen, die im Schatten des Krieges blieben.

China war vergangene Woche Gastgeber für Treffen zu Afghanistan, es will „vertrauensvolle Beziehungen“ zu Kabul herstellen. Das von den Taliban regierte Land könnte schließlich bei dem Projekt der „Neuen Seidenstraße“ eine wichtige Rolle spielen. Und Peking hat ein Sicherheitsabkommen mit den strategisch wichtigen Salomonen-Inseln geschlossen, das seinen Einfluss im Indopazifik weiter ausbauen soll. China sichert sich so ständig neue Einflussregionen, ohne Krieg, aber mit sehr langem Atem.

Langfristig droht Europa, an Bedeutung und Einfluss zu verlieren. Dann kippt das Machtgleichgewicht endgültig zugunsten Chinas. Deutschland, dessen wichtigster Handelspartner China ist, muss sich mit seinen Nachbarn bald überlegen, wie das Verhältnis zu Peking aussehen soll. „Wandel durch Handel“ hat sich als Illusion entpuppt, zugleich sind die wirtschaftlichen Verflechtungen mit der autokratischen Großmacht jedoch viel enger als mit Russland. In diesem Spannungsfeld muss Europa prüfen, wo es seine einseitigen Abhängigkeiten verringern kann. Denn China ist kein Akteur am Rande, sondern die große Herausforderung der Zukunft.

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