Kehrtwende bei Isolation

Ein klassischer Lauterbach

von Redaktion

SEBASTIAN HORSCH

Karl Lauterbach hat sich umentschieden. Wie im vergangenen Jahr schon Angela Merkel (Stichwort Osterruhe), nimmt der Bundesgesundheitsminister eine schwerwiegende Pandemie-Entscheidung zurück. Corona-Infizierte sollen nun doch nicht selbst entscheiden dürfen, ob sie sich isolieren. Sie müssen weiter zu Hause bleiben, auch wenn die überlasteten Gesundheitsämter das kaum kontrollieren können.

Lauterbach hat offenbar irgendwann im Laufe des Dienstags erkannt, welch seltsames Signal davon ausgeht, wenn man ständig zur Vorsicht mahnt, es plötzlich aber rechtlich in Ordnung sein soll, andere mutwillig in Ansteckungsgefahr zu bringen. Es ist keine Schande, sich zu korrigieren. In diesem Fall stellt sich allerdings schon die Frage, ob das wirklich nicht früher abzusehen war. Und auch darüber, ob man als Mitglied der Bundesregierung einen solch fundamentalen Richtungswechsel am besten zuerst in der Late-Night-Talkshow von Markus Lanz raushaut, um dann um 2.37 Uhr noch einen Twitter-Post nachzulegen, darf man zumindest diskutieren.

Alles in allem ist es ein klassischer Lauterbach. Der selbstbewusste SPD-Politiker verwirrt das Land seit Monaten nicht nur mit eigenwilligen Auslegungen und Widersprüchen. Er wechselt auch ständig in seinen Rollen zwischen Wissenschaftler und Minister. Er postet Studien auf Twitter und spricht in Talkshows als Professor auf – doch die Länder verzweifeln regelmäßig an den schlecht gemachten Corona-Gesetzesvorlagen aus seinem Haus. Zunehmend zeigt sich: Ein Fachmann ist noch lange kein guter Fachminister.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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