In unserer medialen Welt mit ihren sozialen Netzwerken erleben politische Debatten in der öffentlichen Wahrnehmung gigantische Wellenbewegungen. Zwei Jahre lang sprachen alle fast nur über Corona, jetzt über den Krieg und die Energiekrise. Davor prägten Islamismus und (muslimische) Flüchtlinge die Debatte. Keines der Themen ist verschwunden, nur scheinen sie heute nicht mehr so dringlich. Zu verantwortungsvoller Politik gehört aber, auch diese Probleme im Blick zu behalten.
Deshalb ist Markus Söder gut beraten, wenn er in Saudi-Arabien bei allem energiepolitischen Pragmatismus sehr vorsichtig agiert. Die Finanzierung von Terroristen, die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi, der im saudischen Konsulat in Istanbul wohl bei lebendigem Leib zerstückelt wurde. Das sollte auch der im Kopf behalten, der keine Geschäfte mehr mit Putin machen will. Die Gefahr, vom Regen in die Traufe zu geraten, ist groß.
Außenpolitik war lange keine Stärke der CSU. Nicht nur in Sachen Putin. Söders Vorgänger Horst Seehofer pries Riad bei seiner Reise 2015 als „wichtigen Stabilitätsanker“ in der Region – und verlangte trotz des Kriegs im benachbarten Jemen plötzlich mehr Waffenlieferungen. Sein Nachfolger sollte das alles genau nachlesen.
Mike.Schier@ovb.net