Ernährungssicherheit

Özdemirs schwieriger Spagat

von Redaktion

DOMINIK GÖTTLER

Es hatte gut angefangen zwischen Cem Özdemir und den Landwirten. Mit seiner Kampfansage gegen Ramschpreise im Discounter sprach der neue Landwirtschaftsminister vielen Bauern aus der Seele. Bei so manchem Landwirt keimte die Hoffnung: Da könnte eine neue Einigkeit erwachsen zwischen dem grünen Agrar-Quereinsteiger, der kein Blatt vor den Mund nimmt, und einer Branche, die sich von den Handelskonzernen gegängelt fühlt. Doch der anfängliche Zauber scheint verflogen.

Özdemir ist mit dem Ziel angetreten, die heimische Landwirtschaft zu stärken, sie umweltfreundlicher und tierwohlgerechter zu gestalten. Dann kam der russische Einmarsch in die Ukraine. Plötzlich stehen neben Pestizidreduktion und Flächenstilllegungen wieder ganz profane Themen wie Ernährungssicherheit und bezahlbare Lebensmittel auf der Tagesordnung. Und Özdemir muss den Spagat meistern, einen deutschen Beitrag gegen eine drohende Hungersnot in Afrika zu leisten, ohne die angekündigte Zeitenwende in der Agrarpolitik aus dem Blick zu verlieren. Sein Ansatz, dabei mehr auf pflanzliche Ernährung zu setzen, schmeckt vielen Tierhaltern gar nicht.

Özdemir hat in seinen ersten Minister-Monaten viel angekündigt: vom Tierwohllabel über den Umbau der Tierhaltung bis zu einer Lösung des Nitrat-Streits mit Brüssel. Entscheidend ist, was er davon auch umsetzen kann: Und zwar so, dass sowohl die urbane grüne Kernklientel als auch die Landwirte damit leben können.

Dominik.Goettler@ovb.net

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