Seltsam: MVV und S-Bahn können auf eine 50-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Ja: eine Erfolgsgeschichte, denn trotz Pendlerärgers um verspätete Züge oder Busse ist der ÖPNV aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Doch zum Feiern scheint niemanden zumute zu sein: Kein Bahnhofsfest, keine Stellwerksführung, nicht einmal den allerersten S-Bahn-Zug hat man aus dem Nürnberger DB Museum geholt. Seltsam. Auf Corona kann man sich, jetzt, da das Münchner Frühlingsfest beginnt, jedenfalls nicht herausreden.
Aber vielleicht ist den Verantwortlichen auch etwas mulmig, schließlich bleibt zum Feiern kaum Zeit, so immens sind die Herausforderungen. Der MVV zum Beispiel will expandieren, denn weite Teile Oberbayerns sind, ein Versäumnis, noch ohne Verkehrsverbund. Am dringendsten ist jedoch der Schienenausbau. Die Liste ist lang: S4-Verbreiterung, S7-Verlängerung, U-Bahn-Expansion nach Martinsried, Pasing oder Freiham und, und, und …
Man mag es schon nicht mehr schreiben: Die Verkehrswende lässt in Bayern leider auf sich warten – und auch der neue bayerische Verkehrsminister versprüht (bisher) in dieser Hinsicht nicht gerade Strahlkraft. Jetzt sollte wenigstens nicht das 9-Euro-Ticket, das eine dringend notwendige Werbemaßnahme für den öffentlichen Nahverkehr wäre, durch einen lähmenden Bund-Länder-Finanzstreit verbummelt werden.
Dirk.Walter@ovb.net