GEORG ANASTASIADIS
Putin dreht Polen und Bulgarien den Gashahn zu. Darüber kann nur überrascht sein, wer so dumm war, das Märchen von der angeblichen Vertragstreue Russlands zu glauben. Dem Kremlchef ist nicht zu trauen. Wie immer der Ukrainekrieg weitergeht: Solange er im Amt bleibt, kann es keine Rückkehr zu wie auch immer gearteten Handelsbeziehungen mit Russland geben.
Mit seinen neuen Schlägen bestraft der Kriegsherr die aus seiner Sicht besonders renitenten Regierungen Polens und Bulgariens, doch zielt sein Signal noch mehr auf die Zivilgesellschaften Europas. Zur von Außenminister Lawrow geschürten Angst vor dem Dritten Weltkrieg soll sich die Furcht vor einem Kollaps der Wirtschaft gesellen; beides soll die Ukraine der Unterstützung durch die Bürger des Westens berauben. Doch zu Panik besteht kein Grund: Ein Gas-Lieferstopp würde Deutschland hart treffen, aber nicht niederringen. Aktuell bezieht Deutschland 35 Prozent seiner Gaslieferungen aus Russland, 2021 waren es aber noch 55 Prozent. Auch beim Erdöl hat sich unser Land dank der Anstrengungen von Bundeswirtschaftsminister Habeck schneller aus der Abhängigkeit von Moskau befreit, als man zunächst für möglich hielt. Diese Bemühungen gilt es nach den neuen Drohungen noch zu verstärken.
Putin will zeigen, dass nur er die Eskalations-Dominanz im Ukrainekrieg besitzt. Doch ist dessen Ausweitung auf Nato-Gebiet für ihn keine vorteilhafte Option. Auch ein möglicher Gas-Lieferstopp gegen den Hauptabnehmer Deutschland würde das auf Einnahmen dringend angewiesene Russland selbst hart treffen. Am Ende ist Putins Gas-Krieg vor allem eines: das Eingeständnis, dass es auch in der Ostukraine militärisch mies läuft für ihn.
Georg.Anastasiadis@ovb.net