St. Petersburg/Moskau – Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Unterstützern der Ukraine mit schnellen Gegenschlägen gedroht. Wer sich von außen einmischen wolle und eine für Russland unannehmbare strategische Bedrohung schaffe, müsse wissen, dass die Antwort „blitzschnell“ sein werde.
„Wir haben dafür alle Instrumente“, sagte der Kremlchef bei einer Versammlung von Spitzenfunktionären in St. Petersburg. „Und wir werden nicht prahlen. Wir werden sie anwenden, wenn es nötig ist. Und ich will, dass alle das wissen.“ Die notwendigen Entscheidungen seien bereits gefällt.
Zugleich erklärte Putin den westlichen Versuch für gescheitert, die russische Wirtschaft mit Sanktionen abzuwürgen. Die „militärische Spezialoperation“ in der Ukraine und im Donbass, wie er den Krieg nannte, werde alle ihre vorgegebenen Ziele erreichen, betonte er. Der Kremlchef hatte auch die Atomwaffen des Landes als Warnung an die Nato in erhöhte Alarmbereitschaft versetzen lassen.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, man habe eine „große Menge“ westlicher Waffen in der Ukraine zerstört. Von den USA und europäischen Ländern gelieferte Waffen seien bei einem Raketenangriff im Südosten der Ukraine vernichtet worden. Sie seien mitsamt der dazugehörigen Munition in Lagerhallen auf dem Gelände eines Aluminiumwerks nahe der Stadt Saporischschja gelagert worden.
Die russische Armee erklärte, sie habe Luftangriffe auf insgesamt 59 Ziele in der Ukraine geflogen, darunter vier Munitionsdepots. Auf dem Gelände des Aluminiumwerks seien hochpräzise Langstreckenraketen vom Typ Kalibr zum Einsatz gekommen, die vom Meer aus abgeschossen werden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte den Westen immer wieder um die Lieferung schwerer Waffen gebeten, um die russischen Streitkräfte im Osten des Landes zurückdrängen zu können. Am Dienstag hatten 40 Länder auf Einladung der USA auf der US-Militärbasis Ramstein darüber beraten, wie die Ukraine weiter militärisch gestärkt werden kann.
In der Ostukraine rückten die russischen Streitkräfte unterdessen von der bereits eroberten Stadt Isjum südlich von Charkiw in Richtung Barwinkowe vor. Dabei hätten sie die Ortschaften Sawody und Welyka Komyschuwacha erobert, erklärte das Verteidigungsministerium in Kiew. Weiter östlich rückt die russische Armee den Angaben zufolge auf die Stadt Lyman in der Region Donezk vor. Dabei habe sie die Ortschaften Saritschne und Nowotoschkiwske unter ihre Kontrolle gebracht.
In Russland geriet ein Munitionsdepot nahe der ukrainischen Grenze in Brand. Das Feuer in dem Depot nahe der Ortschaft Staraja Nelidowka konnte gelöscht werden, wie der Gouverneur der Region Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, mitteilte. Verletzt wurde demnach niemand. Die Brandursache war zunächst unklar.
Auch die an die Ukraine angrenzende Separatistenregion Transnistrien in der Republik Moldau meldete am Mittwoch den Beschuss eines großen russischen Munitionslagers. Das transnistrische Innenministerium teilte mit, in der Nacht seien mehrere Drohnen über das grenznahe Dorf Kolbasna geflogen, in dem sich das Munitionslager befindet. Am Morgen sei Kolbasna dann von der Ukraine aus beschossen worden. Tote oder Verletzte gab es demnach aber nicht.
In Kolbasna (auf Rumänisch Cobasna) lagern rund 20 000 Tonnen Munition aus Sowjetzeiten. Das Lager wird von russischen Truppen bewacht. Nach Angaben des Innenministeriums gilt es als das größte Munitionsdepot in Europa. dpa/afp