Die gute Nachricht: Das 9-Euro-Ticket kann zum 1. Juni kommen. Es ist jetzt nicht mehr nur eine Ankündigung, sondern beschlossene Sache. Es wäre für die ehrgeizigen klimapolitischen Ziele der Ampel kontraproduktiv gewesen, wenn sie nur den (angesichts wieder gesunkener Spritpreise ohnehin etwas fragwürdigen) Tankrabatt beschlossen hätte. Das 9-Euro-Ticket kann, wenn man es geschickt macht, eine riesige Werbemaßnahme für Bus und Bahn werden. Wer für neun Euro einen Monat lang im ganzen MVV-Gebiet fahren kann, wird vielleicht wirklich in die Versuchung kommen, das Auto öfter stehen zu lassen – und das ist ja gerade der Sinn der Aktion.
Nun die schlechte Nachricht: Ausgerechnet Bahn-Gewerkschaften und Fahrgastverbände überbieten sich mit dem Runterreden des Billig-Tickets. Sie müssten sich eigentlich freuen. Stattdessen führen Bedenkenträger, zu denen leider auch Bayerns Verkehrsminister gehört, das Wort. Übervolle Züge, Räumung von Bahnsteigen – da wird die ganz große Katastrophe an die Wand gemalt. Fast schon wohltuend ist da der schlichte Hinweis der Münchner MVG, dass als Folge von Corona die Fahrgastzahlen nach wie vor nicht so hoch sind wie vor der Pandemie. Nicht wenige verharren weiter im Homeoffice. Das wird die Zweifler nicht beeindrucken. Schade, dass eine gute Idee zerredet wird. Fehlt eigentlich nur noch ein großer Bahnstreik als Störmanöver.
Dirk.Walter@ovb.net