Ein Schritt in Richtung vereintes Irland?

von Redaktion

Sinn Fein greift nach Mehrheit in Nordirland – Stimmungstest für Johnson

Belfast – Rot-Weiß-Blau oder Grün-Weiß-Orange: In Belfast sind diese Flaggen Teil des Stadtbildes wie der Pub an der Ecke. Ob sich die Einwohner Nordirlands als stolze Briten fühlen oder sich nach einem „United Ireland“, einem vereinigten Irland, sehnen, ist unschwer zu erkennen. Die Frage, ob die britische Provinz Nordirland sich mit der Republik Irland wiedervereinigen sollte, spaltet die Bevölkerung seit mehr als einem Jahrhundert und hat in einem blutigen Bürgerkrieg tausende Leben gekostet. Doch nun könnte neue Bewegung in die Sache kommen – denn Nordirland wählt heute ein neues Parlament.

2020 sind in Nordirland laut „Irish Times“ erstmals innerhalb eines Jahres mehr irische als britische Pässe beantragt worden. In den Umfragen vor der Wahl führt Sinn Fein – also jene Partei, die sowohl in Nordirland als auch in Irland aktiv ist. „Wir glauben an die irische Einheit. Aber es wird die Öffentlichkeit sein, die in dieser Frage eines Tages das Sagen hat“, sagt Spitzenkandidatin Michelle O’Neill. Ihre Partei will ein Datum für ein Referendum in den kommenden Jahren ansetzen, so steht es im Wahlprogramm. Es wäre historisch.

Doch nicht nur in Nordirland wird gewählt: Auch in England, Schottland und Wales sind die Bürger an die Urne gerufen. Es geht um 4360 Abgeordnetenmandate in 146 Bezirken, darunter in Ballungszentren wie Birmingham, Leeds und Manchester sowie in allen 32 Bezirken Londons. Für Großbritanniens angeschlagenen Premierminister Boris Johnson könnte es ein richtungsweisender Stimmungstest werden. Grund für die schlechte Stimmung bei den Torys sind sowohl die illegalen Partys in der Downing Street während des Corona-Lockdowns als auch die steigende Inflation, die den Wählern zu schaffen macht. Umfragen sagen voraus, dass Labour die meisten zu vergebenden Sitze in England gewinnen könnte.

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