Rücktrittsbeben in der CSU

Gesucht: ein(e) General(in)

von Redaktion

GEORG ANASTASIADIS

Für die CSU und ihren Chef ist das letzte Jahr, höflich ausgedrückt, nur mittelgut gelaufen. An Corona und (den Umgang mit) Armin Laschet erinnert sich die Partei wie an biblische Plagen. Markus Söder müht sich seither nach Kräften, als unermüdlicher Landesvater alte Sünden vergessen zu machen und verärgerte Wähler wieder einzusammeln, doch ist die Zeit der Prüfungen für die einst so übermütige Partei noch nicht vorbei: Der Verlust des Generals und die skandalösen Umstände seines Rücktritts stürzen die CSU noch tiefer in die Krise. Und das ein Jahr vor einer Wahl mit akuter Absturzgefahr.

Nicht mal Söders Kritiker werden ihm den Kontrollverlust des erst vor Kurzem bestallten Generalsekretärs Stephan Mayer anlasten wollen oder können. Und im Gegensatz zu etlichen Amtsträgern einer in Apathie versunkenen Partei kann man dem Vorsitzenden wohl eine gewisse Wandlungsfähigkeit, aber ganz gewiss nicht fehlendes Engagement vorwerfen. Doch braucht der CSU-Chef bei der Wahl des oder der Neuen schon ein glücklicheres Händchen als zuletzt, wenn er Zweifel zerstreuen will, dass die CSU mit ihm die Landtagswahl gewinnen kann.

Viele erwartungsvolle Blicke richten sich auf Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die zu den wenigen Entdeckungen Söders gehört: Die 44-jährige Oberbayerin ist zupackend, ausgestattet mit Nahkampfqualitäten, robustem Charme und einem Temperament, das – Achtung, Unfallgefahr! – an jenes ihres Chefs heranreicht. Ihr kroatischer Migrationshintergrund und, das darf gesagt werden, einnehmendes Äußeres könnte ihr auch auf der Berliner Bühne das Maß an Aufmerksamkeit verschaffen, das es in der Mediendemokratie braucht, um gehört zu werden. Kann sie auch Kampagne, Strategie und Inhalte? Das wird sich, falls die Wahl auf sie fällt, erst noch zeigen müssen. Aber viele andere Trumpfkarten hat Söder nicht mehr.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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