Kiel – Jamaika ist an der Waterkant ziemlich beliebt, doch eine Neuauflage des Regierungsbündnisses von CDU, Grünen und FDP ist in Schleswig-Holstein deshalb keineswegs sicher. Denn Ministerpräsident Daniel Günther könnte mit seiner CDU bei der Landtagswahl am Sonntag so stark abschneiden, dass es für ein Zweierbündnis reicht. Der über die Parteigrenzen hinaus beliebte Günther (48) geht den Umfragen zufolge als klarer Favorit ins Rennen um den Chefsessel in der Staatskanzlei gegen den wenig bekannten SPD-Herausforderer Thomas Losse-Müller (49) und Grünen-Finanzministerin Monika Heinold (63).
Eindrücke aus dem Wahlkampf bestätigen diese Stimmungslage. Bei SPD und Grünen hofft kaum noch jemand ernsthaft, Losse-Müller oder Heinold könnten wie angestrebt Günther ablösen. Auch bundesweit ersehnt die CDU nach den Niederlagen im Bund und im Saarland einen Erfolg. Eine Woche vor der schweren Wahl in NRW wäre das zumindest ein Hoffnungszeichen.
Im Norden kann Günther mit einem satten Amtsbonus rechnen. Die Bewältigung der Corona-Pandemie wird weitgehend positiv bewertet, die Modernisierung der Infrastruktur ebenfalls und eine Kita-Reform mit Deckelung der einst hohen Elternbeiträge überwiegend auch.
Jüngste Umfragen sehen die CDU mit 36 bis 38 Prozent klar vor SPD (18 bis 20) und Grünen (16 bis 18). Es folgen die FDP mit 8 bis 9 und die AfD mit 5 bis 6 Prozent. In der CDU kursiert sogar die Hoffnung, alle 35 Wahlkreise zu gewinnen. So gut wie aktuell stand sie bei Wahlen zuletzt 2005 da, mit 40,2 Prozent.