MIKE SCHIER
Es ist, so viel lässt sich wohl sagen, eine mutige Entscheidung von Markus Söder: Kaum jemand hatte Martin Huber als Generalsekretär auf dem Zettel. Auf den Landtagsabgeordneten, der bislang eher jenseits des Rampenlichts agierte, kommt nun die Herkulesaufgabe zu, bis Herbst 2023 den Absturz der CSU auf das nächste historisch schlechte Wahlergebnis zu verhindern. In diesen unberechenbaren Zeiten, in denen vor allem die Außen- und Russlandpolitik die politische Debatte prägen (beides keine Ruhmesblätter für die Partei), muss er als rechte Hand von Markus Söder eine Bayern-Strategie basteln.
Bislang wirken Söders Corona-Politik und sein missglückter Berlin-Ausflug übermächtig nach. Der CSU-Chef versucht zwar, sich als Landesvater neu zu erfinden – doch Reparaturarbeiten allein genügen nicht, um die Wähler neu zu überzeugen. 2018 siegte man nicht zuletzt dank großzügiger Wahlgeschenke. 2023 scheidet das aus. Inflation, Energiesorgen und Lieferprobleme bedrohen Bayerns Wohlstand. Der neue Kunstminister musste das Münchner Konzerthaus beerdigen, der neue Verkehrsminister lässt durchblicken, dass nicht jeder Plan Wirklichkeit wird. Und der Finanzminister kämpft um seinen Haushalt, lange der große Stolz aller Staatsregierungen seit Edmund Stoiber. Denkbar schlechte Voraussetzungen für ein verheißungsvolles Programm.
Die Personalie Huber zeigt, wie groß Söder den parteiinternen Befriedungsbedarf einschätzt. Die Reihen schließen, die Basis ins Boot holen, die Fraktion an den Parteichef binden. Huber wird der Partei-Arbeiter sein, Söder bleibt der Star. Die Landtagswahl 2023 wird deshalb vor allem eine Abstimmung über den CSU-Chef.
Mike.Schier@ovb.net