Die ÖVP im Sinkflug

Das Scheitern der Hoffnungsträger

von Redaktion

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Das Purzeln, Stürzen und Flüchten in Österreichs Politik geht weiter, und es bringt das Land der politischen Wende näher. Mit der forschen, dynamischen Umwelt- und Agrarministerin Elisabeth Köstinger zieht sich eine weitere Vertraute des gefallenen Kanzlers Kurz aus der Politik zurück: ausgelaugt, enttäuscht, im Alter von nur 43 Jahren. Die Konservativen haben praktisch eine halbe Generation an Hoffnungsträgern verloren. Und dass in viereinhalb Jahren sechsmal der Kanzler wechselte, taugt nicht als Beleg für eine dicke Personaldecke.

In der ÖVP ist eindeutig mehr gescheitert als nur ein junger Kanzler. Europaweit wurde mal als Vorbild gehandelt, wie sich die Konservativen in Österreich neu erfinden können, wenn sie einen Charismatiker an der Spitze haben; wie die Honoratioren- wieder zur Volkspartei werden kann, die Klüngelei überwindet; und auch, wie die Konservativen eine moderne Koalition mit den Grünen anführen können, die sich gegenseitig Erfolge gönnt und den heikelsten Punkt der Migrationspolitik sogar mit wechselnden Mehrheiten überspringen kann. Geblieben ist: fast nix. Die ÖVP ist noch immer verheddert in ihren Netzen aus Filz, Geschäften, Freunden – was übrigens nicht zuletzt für die bayerische CSU eine drastische Warnung sein sollte. In Umfragen ziehen in Österreich nun jedenfalls zügig die Sozialdemokraten vorbei. Für Kurz’ Erben geht es noch weiter nach unten.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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