Die SPD ist wieder auf dem Boden der Realität angekommen. Nach dem eher überraschenden Triumph bei der Bundestagswahl und dem Erdrutschsieg im Saarland gab es in Schleswig-Holstein für die Sozialdemokraten ein fast historisches Minus. Schon klar: Landtagswahlen haben meist regionale Komponenten – und die Idee, einen ehemaligen Grünen, der erst ein paar Jahre im Land lebt, zum Spitzenkandidaten zu machen, war auch eher mutig. Doch im Willy-Brandt-Haus sollte man es sich nicht zu einfach machen: Die Ursachen für das schwache Abschneiden am Sonntag reichen über Kiel hinaus.
Da wäre zum einen die Performance der SPD-Minister jenseits eines kommunikativ schwachen Kanzlers. Von Lauterbach waren irgendwann alle genervt, an Lambrecht entzündet sich viel Kritik. Die Mehrheit aber agiert schlicht blass. Svenja Schulze oder Klara Geywitz sind allenfalls politischen Feinschmeckern ein Begriff.
Dazu kommt die zögerliche Aufarbeitung der eigenen Russland-Politik. Immerhin: Parteichef Lars Klingbeil räumt inzwischen Fehler ein und spricht von Neuausrichtung. Dass es einen „politisch-gesellschaftlichen Konsens“ gab, die „Nähe zu Russland zu suchen“, klingt aber auch im Rückblick nach Ausrede. Pragmatische Zusammenarbeit vielleicht, aber „Nähe“? Auch die Union hat sich zu lange von Putin blenden lassen. Der Unterschied: In der SPD zögern die Schröders, Schwesigs und Mützenichs bis heute. Klingbeil hat viel Arbeit vor sich.
Mike.Schier@ovb.net