Düsseldorf – Hätte Armin Laschet nicht auf die Kanzlerkandidatur der Union bestanden – er ginge am Sonntag als Amtsinhaber in die NRW-Wahl. Und vielleicht sogar als Favorit. Zumindest dürfte er selbst das so sehen. „Mit Geschlossenheit und Menschlichkeit im Amt gewinnt die Union wieder Wahlen“, kommentierte er den Wahlsieg von Daniel Günther in Schleswig-Holstein auf Twitter. Die AfD dränge sie aus dem Parlament „mit einem klaren Kurs der Mitte, der Moderne, der Weltoffenheit“. Will sagen: In Günthers Politikstil sieht Laschet seinen eigenen Politikstil. Zitat: „Menschen zusammenführen und über den Tellerrand blicken.“
Doch während Günther strahlender Wahlsieger ist, fungiert Laschet heute nur noch als Vorsitzender eines Unterausschusses im Bundestag. Er ist nicht einzige CDU-Politiker aus NRW, für den die Bundestagswahl einen größeren Karriereknick bedeutete. Im aktuellen Wahlkampf spielt Laschet keine Rolle. Aber was macht eigentlich Jens Spahn, der ehemalige Bundesgesundheitsminister und selbst kurzzeitig als Kanzlerkandidat im Gespräch? Oder Paul Ziemiak, der Ex-Generalsekretär. In der neuen Berliner Oppositionsrolle sind sie aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden – und hoffen umso mehr auf einen Sieg bei der NRW-Landtagswahl.
Im Wahlkampf an Rhein und Ruhr mischt Spahn wieder mit. Der ehemalige Minister, immer noch erst 41 Jahre alt, kommt wie Spitzenkandidat Hendrik Wüst aus dem Münsterland. „Dass die Landtagswahl bei uns bundespolitisch bedeutend ist, kann man nicht kleinreden. Wir wissen, um was es geht“, sagte er unserer Zeitung. Zwar liegt Spahns Partei in NRW laut letzten Umfragen leicht vorne, doch möglich sind demnach auch Mehrheiten gegen die CDU. „Je stärker die CDU, desto besser kann man nach der Wahl in Verhandlungen gehen“, sagt Spahn. Dass SPD-Spitzenkandidat Thomas Kutschaty auch als möglicher Zweiter auf ein Bündnis mit Grünen und FDP spekuliert, kritisiert er. „Nach der Bundestagswahl vor wenigen Monaten hat er der Union genau diesen Auftrag auf Rang zwei noch abgesprochen. Die Menschen erkennen diese Doppelmoral und lehnen Taktiererei ab.“
Auch Ziemiak ist als Wahlkämpfer unterwegs. Der ehemalige General kommt wie Parteichef Friedrich Merz aus dem Sauerland. Ziemiak weiß um die „besondere Bedeutung“ der Wahl im bevölkerungsreichsten Bundesland, betont zugleich jedoch, „dass es bei dieser Wahl um Landespolitik geht“. Ähnlich wie Wüst macht Ziemiak die Wahl am Sonntag auch zur Entscheidung darüber, ob der als beliebt geltende Innenminister Herbert Reul (CDU) im Amt bleiben kann.
Als Wahlkämpfer unterwegs sind auch Ralph Brinkhaus, Ex-Fraktionschef im Bundestag, und Norbert Röttgen. „Selbstverständlich“, sagt Röttgen auf Anfrage. Doch so selbstverständlich ist das nicht. In NRW gibt es immer noch Parteifreunde, die Röttgens Pleite als Spitzenkandidat bei der Wahl vor zehn Jahren nicht vergessen haben. Armin Laschet war es dann, der die CDU in NRW zurück in die Regierung brachte. Am Sonntag kann er nur zuschauen, ob das so bleibt. ALEXANDER SCHÄFER