FRIEDEMANN DIEDERICHS
Die Richtlinien in der US-Waffengesetzgebung werden nur indirekt von den Volksvertretern auf dem Kapitol bestimmt. Seit Jahrzehnten ist es die als „National Rifle Association“ (NRA) firmierende Waffenlobby, die definiert, was in Washington verabschiedet wird – oder nicht. Selbst Parlamentarier der Demokraten haben es schwer, wenn sich die NRA im Wahlkampf gegen sie stellt. Denn die Mehrheit der US-Bürger würde niemals freiwillig ihre Pistolen, Revolver und Gewehre aufgeben.
Es muss dennoch wie eine böswillige Farce anmuten, dass an diesem Wochenende die NRA ihre Jahresversammlung ausgerechnet in Texas abhält, während Präsident Joe Biden am Sonntag in Uvalde den Opfern des Schul-Amoklaufs gedenken will, deren Tod durch ein offenbar beispielloses Versagen der Polizei mit begünstigt wurde. Zwar haben einige prominente Musiker ihre Teilnahme an dem NRA-Spektakel abgesagt, bei der die Industrie ihre jüngsten Produkte vorstellen wird und bei der schon Kleinkinder Waffen in die Hand nehmen können. Die NRA hätte ein wichtiges Zeichen setzen können, wenn sie ihren Termin aus Respekt vor den 21 Toten des Massakers abgesagt hätte.
Dass selbst eine solche minimale Einsicht nicht vorhanden ist, belegt deutlich, wie schwer wirksame Veränderungen in der Gesetzgebung durchzusetzen sein werden. Die Debatte dreht sich einmal mehr im Kreis.
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