Die Temperaturen steigen und die Corona-Zahlen sinken – trotzdem ziehen in der Ampel-Koalition mal wieder Gewitter-Wolken auf. Der Grund: Vorsorge-Maßnahmen für einen möglichen Corona-Herbst. Während der dauermahnende Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) dafür schon jetzt eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes vorschlägt, schmettern die Freien Demokraten Grundrechtseinschränkungen gepflegt ab.
Gerade bei dem Thema Corona ist die FDP eine regierungsinterne Opposition. Man erinnert sich an den eigenen Antrag zur Impfpflicht oder die unermüdliche Forderung nach einem Freedom-Day. Und auch bei der aktuellen Debatte fordert FDP-Vize Wolfgang Kubicki – wie es längst angebracht ist – eine Aufarbeitung der bisherigen Corona-Politik. Ein typisches Oppositions-Thema eben.
Man könnte trotzdem den Eindruck bekommen, dass die Freien Demokraten besonders sensibel auf die SPD reagieren. Während Marie-Agnes Strack-Zimmermann gegen den SPD-Kanzler und sein Zögern bei den Waffenlieferungen wettert, muss der SPD-Gesundheitsminister – nach sechs Monaten im Amt – seinen Kopf für zwei Jahre Pandemie-Politik hinhalten. Eigentlich ist es ziemlich praktisch, dass die Ampel-Regierung ihre Kritiker auch in den eigenen Reihen hat und sich dadurch immer wieder selbst den Spiegel vorhalten muss. Dennoch darf die noch frische Koalition das gemeinsame Projekt nicht aus den Augen verlieren.
Leonie.Hudelmaier@ovb.net