Lagos – Bei einem Angriff mit Waffen und Sprengstoff auf einen Pfingstgottesdienst im westafrikanischen Nigeria sind nach Angaben der Behörden mehr als 20 Menschen getötet worden. Die Opferzahl stieg auf bis zu 100. Unter den Toten befänden sich zahlreiche Kinder sowie schwangere Frauen, sagte Oluwole Ogunmolasuyi, ein Lokalpolitiker im südwestlichen Bundesstaat Ondo, am Montag. Schwer bewaffnete Täter hatten die St.- Francis-Kirche am Pfingstsonntag in der Stadt Owo während eines Gottesdienstes gestürmt, wahllos auf die Gläubigen geschossen und Sprengsätze ausgelöst.
„Es war barbarisch, so etwas haben wir noch nie erlebt“, sagte Ogunmolasuyi, nachdem er die Kirche und ein Krankenhaus besuchte, in dem zahlreiche Verletzte behandelt werden. „Die Opferzahl beläuft sich auf zwischen 70 und 100“, so Ogunmolasuyi. Präsident Muhammadu Buhari verurteilte den Anschlag. „Dieses Land wird niemals dem Bösen und bösen Menschen nachgeben, und die Dunkelheit wird niemals das Licht besiegen“, wurde Buhari bei Twitter zitiert. Papst Franziskus sprach in einer Erklärung vom „Tod dutzender Gläubiger“, darunter viele Kinder.
Der Gouverneur des Bundesstaates Ondo, Rotimi Akeredolu, bezeichnete den Anschlag als „abscheulich und satanisch“ und fügte hinzu, dass „es sich um einen kalkulierten Angriff auf die friedliebenden Menschen in Owo handelt“. Die genaue Zahl der Opfer und welche Gruppe hinter dem Anschlag steht, blieb weiterhin unklar. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Behörden hatten am Sonntag zunächst von bis zu 50 Toten gesprochen. Die Regierung hat noch am Wochenende eine Untersuchung eingeleitet.
„Der Angriff ist zweifellos terroristischer Natur. Das Ausmaß und die Brutalität deuten darauf hin, dass er sorgfältig geplant und nicht impulsiv war“, sagte Eric Humphery-Smith, ein Analyst der Sicherheitsberatungsfirma Verisk-Maplecroft. Hintergrund des Anschlags seien wachsende ethnische und religiöse Spannungen in Afrikas bevölkerungsreichstem Land mit etwa 206 Millionen Einwohnern, so Humphery-Smith.
In den sozialen Medien kursierte am Sonntag eine Videoaufnahme, die den Ort des Geschehens zeigen soll. Darauf sind augenscheinlich tote Menschen zu sehen, die blutüberströmt auf dem Boden liegen – darunter auch Kinder. Ein Augenzeuge, der sich selbst mit dem Namen Abayomi identifizierte, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe mindestens fünf Angreifer gesehen.
Dschihadistische und kriminelle Gruppen haben in vergangenen Jahren zahlreiche Anschläge auf Kirchen im überwiegend muslimischen Norden Nigerias verübt. Der überwiegend christliche Süden blieb bislang von derartigen Angriffen verschont. Religiöse Konflikte, insbesondere zwischen Muslimen und Christen, kommen in Nigeria immer wieder vor.
Das bevölkerungsreichste Land Afrikas bereitet sich derzeit auf die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr vor. Präsident Buhari tritt nach zwei Amtszeiten nicht mehr an. Für den Sieger der Präsidentschaftswahl wird die Verbesserung der Sicherheitslage in Nigeria eine große Herausforderung sein. Die Armee kämpft bereits seit zwölf Jahren gegen einen dschihadistischen Aufstand im Nordosten des Landes.
Der Nordwesten Nigerias wird von kriminellen Banden destabilisiert, die immer öfter Dörfer überfallen und in Ortschaften und Schulen Massen-Geiselnahmen verüben. Im Südosten des Landes sind außerdem Separatisten aktiv.