DIRK WALTER
Was für ein Schock. Das Zugunglück von Burgrain macht auch jene fassungslos, die mit den tagtäglichen Problemen der Bahn vertraut sind. Die verträumte Werdenfelsbahn, die an manchen Stellen nur mit Tempo 30 durch die wunderschöne Gegend zuckelt, ist in der Region ein Identifikationsmerkmal – eine Katastrophe dieses Ausmaßes hätte sich wohl niemand vorstellen können.
Doch Betroffenheit und auch Trauer sind keine ausreichenden Kategorien, wenn es gilt, die Ursachen zu bestimmen. Eine nüchterne Analyse über den Zustand der Bahn in Bayern fällt leider nicht so gut aus – darüber kann auch die Eigenwerbung („Bahnland Bayern“) nicht hinwegtäuschen. Es gab nun doch einige Bahnunglücke und Fast-Unfälle in der jüngsten Zeit. Bad Aibling 2016, Aichach 2018, Beinahe-Unglücke in Utting 2018 und Grainau 2020, jetzt Burgrain. Gewiss, jeder dieser Vorfälle hat andere Gründe. Aber sie fanden alle auf Nebenstrecken statt. Könnte es sein, dass die Bahn Prioritäten falsch setzt, sich vor allem auf lukrative Hochleistungstrassen konzentriert, und nicht so sehr auf die Bahn auf dem Land?
Die Bahn und das Verkehrsministerium müssen nun mit Hochdruck die Ursachen der Katastrophe ermitteln. Es wäre gut, wenn die Ermittler transparent vorgehen und über Zwischenergebnisse informieren. Das Vertrauen in die Bahn ist erschüttert. Das darf nicht so bleiben, denn eigentlich ist sie ein sehr sicheres Verkehrsmittel.
Dirk.Walter@ovb.net