Ladekabel-Einigung

Besser als jedes Europa-Pathos

von Redaktion

SEBASTIAN HORSCH

Die EU will den Kabelsalat entwirren. Ab Mitte 2024 soll es eine Standard-Ladebuchse für alle Geräte geben. Selbst wenn die politische Bedeutung dieser Entscheidung überschaubar ist, ist sie für jeden, der selbst in einer Apple/Samsung-Mischehe lebt, ein kleiner Meilenstein.

Auch für den Ruf der Union bei ihren Bürgern sind solche lebensnahen Fortschritte eine Wohltat. Denn sie zeigen die Vorteile eines geeinten Europas ganz praktisch auf. Die tägliche Freude über offene Grenzen und den Wegfall teurer Roaming- und Telefongebühren im europäischen Ausland wiegen für die meisten Bürger schwerer als jedes Europa-Pathos – und stechen selbst den 2012 erhaltenen Friedensnobelpreis locker aus.

Doch gleichzeitig wird einmal mehr auch die größte Schwäche der EU deutlich. Nicht nur, dass es Jahre gedauert hat, endlich eine gemeinsame Ladekabel-Regelung zu finden. Weil sich EU-Parlament und Staaten nicht auf ein früheres Datum einigen können, tritt sie zudem erst in zwei Jahren in Kraft. Genau wie beim Öl-Embargo gegen Russland oder in der europäischen Agrarpolitik blockieren sich die EU und ihre Mitglieder auch hier, so gut sie können. Solange sich dieses Muster nicht durch Reformen des Bündnisses durchbrechen lässt, schweben große Ideen wie die von einer gemeinsamen Armee realistisch gesehen wohl noch in ganz weiter Ferne.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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