Berlin/München – Trennungsangst wird Gerhard Schröder eher nicht nachgesagt. Der ehemalige Bundeskanzler hatte vor seiner aktuellen Ehe bereits vier weitere Male den Bund fürs Leben geschlossen. Doch zumindest was seine Partei betrifft, betonte er nun seine Bereitschaft zur ewigen Treue. „Ich bin und bleibe Sozialdemokrat“, sagte Schröder dem „Spiegel“. Auch habe er in seinem politischen Leben nie etwas anderes als SPD gewählt. Das werde auch in Zukunft so bleiben, stellte Schröder fest. Selbst dann, „wenn der eine oder die andere aus der SPD-Führung es mir gegenwärtig vielleicht etwas schwer macht“. Nicht ausgeschlossen, dass man das im Willy-Brandt-Haus eher andersherum sehen könnte.
Schon seit Jahren steht der Ex-Kanzler wegen seines Engagements für russische Staatskonzerne in der Kritik. Nach dem Angriff auf die Ukraine hatte der Druck auf ihn nun immer weiter zugenommen – auch innerhalb der SPD. Zuletzt wurden gleich mehrere Anträge gestellt, Schröder aus der Partei auszuschließen. Die Entscheidung darüber fällt am 22. Juni die Schiedskommission des SPD-Unterbezirks Region Hannover. Denn dort ist Schröder Mitglied im SPD-Ortsverein Oststadt-Zoo. Ob der Ex-Kanzler selbst zum Termin erscheint, ist unklar. Schröder teilte lediglich mit, er blicke dem Verfahren gelassen entgegen.
Klärungsbedarf besteht zudem in einer weiteren Angelegenheit. Die Stadt Cuxhaven hatte im Mai entschieden, dem SPD-Politiker ihren Ehrenring abzuerkennen – wegen dessen mangelnder Distanzierung zu Russlands Wladimir Putin. Schröder allerdings verwies auf die Staatskanzlei in Hannover, weil er bei der Auszeichnung im Jahr 1996 als niedersächsischer Ministerpräsident geehrt worden sei. Doch dort kann man einen solchen Ring nicht finden. „Wir haben im Archiv geschaut, und wir haben auf dem Dachboden geschaut und im Verzeichnis im Ministerpräsidentenbüro – er befindet sich nicht in der Staatskanzlei“, sagte eine Sprecherin der Landesregierung. In der Regel verließen solche Auszeichnungen das Haus auch mit dem Amtsinhaber, weil sie an persönliche Verdienste geknüpft seien. hor/dpa