Limburg – Bestürzung hat der Tod des Leiters des Priesterseminars in Limburg ausgelöst. Der 49-jährige Regens Christof May ist am Donnerstag tot aufgefunden worden. Am Tag zuvor war er von Bischof Georg Bätzing, der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, von allen Ämtern freigestellt worden.
Wie das Bistum am Freitag mitteilte, hatte Bätzing den Priester in einem persönlichen Gespräch „zu Vorwürfen übergriffigen Verhaltens“ angehört – wie es die kirchlichen Regeln vorsähen. Danach habe ihn Bätzing von allen Ämtern freigestellt, „um die Vorwürfe prüfen und aufklären zu können“. Welche Art Übergriffe May vorgeworfen wurden, wollte der Pressesprecher auf Nachfrage nicht sagen. „Der Tod trifft uns sehr, ruft Bestürzung und Fassungslosigkeit hervor und hinterlässt viele Fragen“, heißt es in einer Stellungnahme. May war ein beliebter Priester, der seit 2018 für die Ausbildung von angehenden Priestern zuständig war. Er hatte im Herbst 2020 für Aufsehen gesorgt, weil er sich deutlich für Reformen in der Kirche ausgesprochen hatte – explizit für einen besseren Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und homosexuellen Paaren. Warum May vermutlich Suizid begangen hat, ist unklar. Für das Bistum und seinen Oberhirten ist der Tod des Regens eine Katastrophe.
Gerade erst hatte sich Bätzing dafür entschuldigt, dass er einen Seelsorger zum Dekan ernannt hatte, der viele Jahre zuvor übergriffig gegenüber Frauen gewesen war. In der Debatte darüber hatte er das Ringen um die richtige Lösung klargemacht. Der Dekan war schließlich zurückgetreten. Als Bischof hat Bätzing auch eine Fürsorgepflicht für mutmaßliche Täter. CLAUDIA MÖLLERS