Ukraine-Krieg: Putin vergleicht sich mit Peter dem Großen

von Redaktion

„Nichts genommen, nur zurückgeholt“ – Minister Lauterbach und Özdemir auf Kurzbesuch in Lwiw und Kiew

Moskau/Kiew – Wladimir Putin hat bei der Eröffnung einer Ausstellung zum 350. Geburtstag von Peter den Großen den Krieg gegen die Ukraine mit den Feldzügen des Zaren im 18. Jahrhundert verglichen. Es könne der Eindruck entstehen, dass der Zar etwas „an sich gerissen“ habe, indem er gegen Schweden kämpfte und das Gebiet um das heutige St. Petersburg eroberte. Doch Peter der Große habe „nichts genommen, er hat es zurückgeholt“, sagte der russische Präsident.

Das Gleiche gelte für die heutige estnische Stadt Narwa. „Offenbar ist es auch unser Los: zurückzuholen und zu stärken“, so der Kreml-Chef. Er räumt damit indirekt ein, einen Eroberungskrieg in der Ukraine zu führen – bisher hatte er mit angeblicher Entnazifizierung des Landes argumentiert.

In Estland, wo die 60 000-Einwohnerstadt Narwa heute das Zentrum der russischsprachigen Minderheit ist, dürfte das als Drohung verstanden werden. Zumal einen Tag zuvor der Putin-treue Abgeordnete Jewgeni Fjodorow in der Moskauer Duma einen Antrag eingebracht hatte, dem Nachbarland Litauen die Unabhängigkeit abzuerkennen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat unterdessen der Ukraine umfassende und konkrete Hilfe aus Deutschland bei der Versorgung von Kriegsopfern zugesagt. „Dies ist der Beginn einer andauernden Zusammenarbeit“, sagte Lauterbach am Freitag bei einem Besuch in der westukrainischen Stadt Lwiw (Lemberg). „Wir werden alles tun, was wir können, um Sie zu unterstützen in diesem ungerechtfertigten, unmenschlichen und barbarischen Krieg.“ Die anlaufende medizinische Hilfe soll auf mehreren Ebenen stattfinden. Aufgebaut werden sollen etwa Traumazentren für Verletzte sowie spezielle Container-Werkstätten zur Herstellung von Prothesen. Weiter berichtete Lauterbach, auf Vermittlung seines Hauses über die Bundesärztekammer hätten sich 200 Chirurgen und Notfallmediziner für einen Einsatz in der Ukraine angeboten – und das „so schnell wie möglich“. Ferner bilde das Unfallkrankenhaus Berlin ukrainische Ärzte für die Behandlung von Verbrennungswunden aus. Ukrainische Krankenhäuser sollen zudem an eine telemedizinische Beratung für die Behandlung Schwerverletzter angeschlossen werden.

Der Besuch Lauterbachs, der von einem Team von Chirurgen und Spezialisten begleitete wurde, fand zeitgleich mit einer Ukrainereise von Agrarminister Cem Özdemir statt. Der Grünen-Politiker sagte in Kiew, die Ukraine erhalte deutsche Hilfe zum Aufrechterhalten der Landwirtschaft und von Exporten. Man suche zudem alternative Wege für Agrarexporte angesichts blockierter Häfen. Er teile die Skepsis in der Ukraine, dass Russland angeblich bereit sei, Korridore über das Schwarze Meer zu ermöglichen. Als konkrete Hilfen kündigte Özdemir 500 000 Euro zum Ausbau von Laborkapazitäten in Ismajil an der Grenze zu Rumänien an. K. RIMPEL, A. STEIN

Artikel 1 von 11