London – Die nächste Wahlschlappe für Boris Johnson: Die Konservativen des britischen Premierministers haben bei zwei Nachwahlen für je einen Sitz im Unterhaus schwere Niederlagen erlitten. Sowohl im Wahlkreis Tiverton and Honiton im Südwesten Englands als auch im Wahlkreis Wakefield in Nordengland unterlagen Johnsons Tories.
Besonders schmerzhaft ist die Niederlage in Tiverton and Honiton: Die Konservativen hatten den Parlamentssitz für den Wahlkreis seit mehr als hundert Jahren inne. Im Dezember 2019 hatten sie ihn noch mit 24 000 Stimmen Vorsprung gewonnen. Bei der Nachwahl lagen nun die Liberaldemokraten 6000 Stimmen vorne.
In Wakefield setzte sich die Labour-Partei durch. 2019 fuhr sie zwar das schlechteste Wahlergebnis seit Jahrzehnten ein und verlor den Parlamentssitz in Wakefield. Nun konnte Labour ihn mit knapp 5000 Wählerstimmen Vorsprung zurückerobern.
Die Wahlen galten als Stimmungstest für Johnson, der wegen der Affäre um Partys am Regierungssitz während des Corona-Lockdowns stark unter Druck steht. Bereits am Wahltag, am Donnerstag, hatte er im Falle von Niederlagen einen Rücktritt ausgeschlossen. „Wir werden weitermachen“, sagte er dann am Freitag.
Konsequenzen zog hingegen Tory-Generalsekretär Oliver Dowden, der noch am Freitag umgehend zurücktrat. „Jemand muss Verantwortung übernehmen“, erklärte er kurz nach Bekanntgabe der Ergebnisse. „Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es unter diesen Umständen für mich nicht richtig wäre, im Amt zu bleiben.“
Die Nachwahlen waren nötig geworden, nachdem zwei Tory-Abgeordnete infolge von Skandalen zurückgetreten waren. Der Abgeordnete Neil Parish aus Tiverton and Honiton hatte sich im April zurückgezogen, nachdem es Beschwerden darüber gab, dass er im Parlament auf seinem Handy Pornos geschaut hatte. Der Wakefield-Abgeordnete Imran Ahmad Khan wurde wegen eines sexuellen Übergriffs auf einen 15-jährigen Jungen verurteilt.