Union fordert: Passagiere automatisch entschädigen

von Redaktion

CSU will Fluggastrechte verschärfen – Mehr Geld für Mitarbeiter am Schalter und am Gepäckband

Wieder streicht die Lufthansa Flüge – diesmal gleich über 2000. Betroffene Passagiere sind zornig, oftmals sind keine alternativen Verbindungen möglich. Im Bundestag wird in Kürze der Plan diskutiert, die Fluggastrechte deutlich auszuweiten. Der CSU-Sozial- und Innenpolitiker Volker Ullrich setzt sich dafür ein.

Die Airlines streichen Flüge, die Passagiere schauen oft dumm aus der Wäsche. Ist das fair so?

Nein. Wir brauchen eine Verbesserung bei den Fluggastrechten. Vor allem braucht es ein besseres System der Entschädigung bei ausgefallenen Flügen. Bisher ist es leider so, dass Passagiere keine Entschädigung bekommen, wenn Flüge zwei Wochen oder länger vor dem Start gestrichen werden. Das müssen wir verschärfen.

Was schwebt Ihnen vor?

Zwei Dinge. Erstens: Bei fest gebuchten und dann ausgefallenen Flügen muss es pauschale Entschädigungen für die Passagiere geben, am besten gestaffelt nach Entfernung. Zweitens: Jede Entschädigung und Erstattung muss künftig automatisch erfolgen, also direkt aufs Konto zurückerstattet werden. Wir brauchen eine rechtliche Verpflichtung der Fluggesellschaften dazu. Bisher müssen die Passagiere ihrem Geld nachlaufen, das ist oft ermüdend und dauert lang. Nächste Sitzungswoche werden wir als Union dazu im Bundestag einen Antrag einbringen.

Die Airlines haben für die Stornierung meistens einen klaren Grund: Personalnot. Wo kann der Staat da entgegenwirken? Muss die Bundespolizei Lücken stopfen am Flughafen?

Die Sicherheitskontrolle am Flughafen ist eine hoheitliche Aufgabe. Wenn das Delegieren auf Firmen nicht funktioniert, muss der Staat da stärker selbst eingreifen.

Aber wohl kaum am Gepäckband.

Nein. Das ist dann eine Frage des Marktes. Der Fluggast darf nicht darunter leiden, wenn die Personalplanung der Fluggesellschaften und der Flughäfen in den letzten Monaten falsch war. Es gab bei Corona einen extremen Rückgang der Passagiere, in der Folge wurde viel Personal ausgestellt. Das wirkte kurzfristig, aber war kurzsichtig: Die Menschen haben sich andere Aufgaben gesucht bei vielleicht höherer Bezahlung oder geringerer Arbeitsbelastung. Nun müssen die Firmen eben umdenken und das Personal in diesen Berufen rund um die Verkehrsabwicklung besser bezahlen als bisher: auf dem Rollfeld, am Gepäckband, am Schalter.

Ihr Bauchgefühl: Wird es eine chaotische Sommerreisesaison 2022?

Sie hat ja schon begonnen – in den ersten Ländern starten die Sommerferien. Ich hoffe, dass jetzt die kommenden Wochen bis zum Start der Ferien in Bayern intensiv genutzt werden, um das Personalproblem zu beheben. Wenn die Politik die Fluggastrechte verschärft, wird das zusätzlich Druck auf die Branche erzeugen.

Interview: Chr. Deutschländer

Artikel 9 von 11