Garmisch-Partenkirchen – Eigentlich amüsant. Da müssen die US-Amerikaner nach Garmisch-Partenkirchen kommen, um ihrem eigenen Präsidenten zu begegnen – oder zumindest danebenstehen, wenn sein gewaltiges Gefährt, gut abgeschirmt in einer langen Kolonne, an ihnen vorbeidonnert. Sonntag nach Mitternacht war es so weit: Jubelnd standen die ausländischen Staatsbürger – von ihnen gibt es berufsbedingt in Garmisch-Partenkirchen einige – vor dem Irish-Pub am Rathausplatz. Stolz winkten sie ihrem Präsidenten vom Sicherheitszaun mit reichlich Polizeibeamten aus zu. In einem der rund 40 Autos hat er gesessen: Joe Biden.
Dass der 79-Jährige in der Nacht auf Sonntag nicht wie erwartet in einem der Hubschrauber saß, die ebenfalls zur gleichen Zeit synchron zum Straßenkonvoi nach Schloss Elmau flogen, bestätigt die Polizei. Weitere Informationen gab es in der Nacht nicht. „Wir dürfen nicht mehr sagen“, so der offizielle Tenor des Planungsstabs G7 der Bayerischen Polizei.
Den Grund für die Planänderung erfuhr unsere Zeitung am Sonntag: Die Piloten des US-Präsidenten konnten in den Tagen vor dem Gipfel die Landung auf Schloss Elmau nicht ausreichend oft üben. Einen für Freitag geplanten Testflug mussten die Amerikaner wegen schlechten Wetters absagen.
Einige hundert Meter oberhalb des Hotels wurde extra für den Gipfel ein großer Wanderparkplatz asphaltiert, damit dort mehrere Hubschrauber für die wichtigen Gäste landen können. Bekanntlich sind dort bereits 2015 die Staatschefs angekommen, ehe die Fläche wieder zum Wanderparkplatz und jetzt zur zweiten Auflage erneut zum Hubschrauberlandeplatz asphaltiert wurde. Doch kannten Bidens Piloten diesen Platz noch nicht und wollten ihn deshalb aus Sicherheitsgründen nicht anfliegen.
Stattdessen ist Joe Biden nach der Ankunft am Flughafen München mit seinem Hubschrauber nur bis zum Landeplatz Pömetsried bei Ohlstadt geflogen worden, den die Piloten bereits zuvor zu Übungszwecken anfliegen konnten. Von dort aus ging es im langen Konvoi aus schwarzen, mächtigen Limousinen weiter – angeführt von der deutschen Polizei und begleitet vom Bayerischen Roten Kreuz bis zum Tagungsort auf Schloss Elmau.
Für die Fahrzeugkolonne des US-Präsidenten wurde die gesamte Protokollstrecke zwischen Ohlstadt und Elmau gesperrt. Auf Bidens Wunsch sollte die Strecke komplett „autofrei“ bleiben. Er saß auf der nächtlichen Fahrt offenbar nicht in einer seiner berühmten Limousinen namens „The Beast“, sondern wohl in einem großen Geländewagen. Das feierwütige Volk erfreute sich an dem Anblick: Am Rand der Strecke herrschte Volksfeststimmung. Nachtschwärmer kamen aus den Lokalen, um dem Treiben zuzuschauen, als um kurz vor 23 Uhr die Protokollstrecke gesperrt und erst gegen ein Uhr wieder freigegeben wurde. JOSEF HORNSTEINER