G7-Gipfel in Elmau

Raketen gegen das Idyll

von Redaktion

KLAUS RIMPEL

Das Idyll am Fuß des Wettersteingebirges war selten unpassender als Kulisse als in diesen Kriegszeiten: Auf das Gipfeltreffen der Sieben, die sich als „führende Nationen“ der Welt verstehen, fällt der Schatten des Krieges in der Ukraine. Wladimir Putin setzt den schönen Inszenierungen von Joe Biden mit Kindern in bayerischen Trachten seine Bilder der tödlichen Gewalt entgegen: Während die G7 verhandeln, feuert Russland Raketen auf Kiew ab, erstmals seit drei Wochen.

Zu protzig, zu teuer, zu viel Sicherheitsaufwand: Es gibt viele gute Gründe, gegen diese Gipfel-Spektakel zu demonstrieren. Dass trotzdem deutlich weniger Menschen als erwartet zu den Anti-G7-Demos gekommen sind, zeigt: Selbst die Kritiker verstehen, dass der Hauptverursacher der aktuellen weltweiten Probleme im Kreml sitzt, nicht in Schloss Elmau. Vieles von dem, was die G7-Gegner wollen, streben längst auch die Staats- und Regierungschefs an: Weg von den CO2-Schleudern hin zu den Erneuerbaren, den weltweiten Hunger bekämpfen et cetera. Auch die Kritik, dass die sieben Staaten als exklusiver Club über die Interessen Afrikas oder Asiens hinweg debattieren, trifft diesen Gipfel nicht wirklich: Der heutige Montag, an dem die Staatschefs von Indonesien, Indien, Südafrika, Senegal und Argentinien dazukommen, ist wohl der wichtigste Punkt dieses Treffens. Russland und China umgarnen diese Staaten, um mit ihnen einen neuen Block gegen den Westen zu bilden. Die USA, Japan und die Europäer müssen ihnen in Elmau beweisen, warum es besser für sie ist, nicht auf die Sirenengesänge aus Moskau oder Peking zu hören.

Das zeigt aber auch: Der Club der Sieben ist aus der Zeit gefallen – eine grundlegende Reform ist überfällig.

Klaus Rimpel@ovb.net

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