Wallgau/Elmau – Es ist der Anruf ihres Lebens, als Maria Sandner aus Wallgau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) von einem Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes erfährt, dass sie die Violinen für die First Ladys machen darf – beziehungsweise das Rahmenprogramm im Zuge des G7-Gipfels. Als Gastgeschenk für die Ehefrauen der sieben mächtigsten Staatschefs der Welt bringt sie selbst geschnitzte Geigenhälse in Miniaturform mit. Heute Vormittag wird ihr die große Ehre im Schlosshotel Elmau zuteil.
Zuerst rührte sich Enrico Corongiu, Bürgermeister von Mittenwald, bei der Geigenbaumeisterin. Die Bundesregierung sei im Internet auf ihre Videos auf Instagram gestoßen und begeistert. In diesen zeigt sie, wie sie Miniaturgeigen anfertigt. Gerade mal 15 Zentimeter groß sind diese – und sogar spielbar. Fast schon berühmt wurde Sandner, als sie 2021 ihren großen Auftritt beim spanischen „Das Supertalent“ hatte. Vor einem Millionenpublikum musizierte sie auf ihrem winzigen Kunstwerk. All das hat den Veranstaltern des G7-Gipfels so enorm zugesagt, dass sie die 51-Jährige kennenlernen und für die Frauen der Staatschef engagieren wollten.
Das teilte ihr Corongiu mit, der gab die Nummer an das Auswärtige Amt weiter. „Ich konnte es erst gar nicht so richtig glauben“, sagte die Wallgauerin. Nachdem sie aufgelegt hat, wusste sie auch schon sofort, welches Holz sie für die Mini-Geigenhälse verwenden wird: „Ein ganz besonderes Stück Ahorn aus dem Isartal.“ Besonders deshalb, weil es eine seltene feinmaschige Maserung hat. „Als ich das Stück Holz damals gesehen habe, dachte ich mir, das muss ich aufheben für einen besonderes Anlass.“ Und der ist Anfang Juni mit dem Anruf der Behörde gekommen.
Sofort machte sie sich ans Werk. Aus dem Stück Holz konnte sie genau neun Geigenhälse fertigen: Für Britta Ernst, Brigitte Macron und die anderen Damen, von denen aber nur vier angereist sind. „Das ist schon symbolträchtig“, meinte Sandner. „Es sind neun verschiedene Schnecken, alle sind auf ihre Art und Weise individuell, und doch stammen alle aus demselben Holz.“ Wie bei den Menschen. „Jeder ist auf seine Art verschieden, und doch sind wir alle gleich.“
Überreichen wird sie die Unikate beim G7-Partnerprogramm im Schloss Elmau. Der ursprüngliche Plan, im Geigenbaumuseum Mittenwald, scheiterte aus Sicherheitsgründen. „Zu eng, zu schwer zu schützen.“ Zudem wird sie heute den Frauen anhand von Beispielen erklären, wie eine Geige gebaut wird, und das Beste: Die First Ladys dürfen sogar selbst Hand anlegen – und an einer Geige hobeln. joho