Todesdrama im Schmuggel-Lastwagen

von Redaktion

Mindestens 50 Migranten sterben in Texas bei Rekordtemperaturen von bis zu 40 Grad

San Antonio – Den ersten Hinweis auf das Todesdrama im Lastwagen erhielten die Behörden in San Antonio (Texas) – einer Großstadt rund zwei Fahrstunden von der Grenze zu Mexiko entfernt – gegen 18 Uhr am Montagabend. Ein Arbeiter hatte nahe einer Schotterstraße entlang der Interstate 35 Hilferufe vernommen und einen offenbar verlassenen Lkw geortet. Die erste Polizeistreife fand über eine Strecke von mehreren hundert Metern verteilt zunächst mehrere leblose Körper.

Dann untersuchten die Beamten den Lkw, dessen Ladetür teilweise geöffnet war. Aus dem Fahrzeug waren die Hilferufe gekommen – von einigen Menschen, die zu schwach waren, um sich aufzurichten. Die Streife forderte Verstärkung und Krankenwagen an. Wenige Minuten später stand dann fest: Hier hatte sich das bisher tödlichste Migrantendrama der USA abgespielt. Mindestens 50 Menschen starben in dem Laderaum, dessen Klimaanlage nicht eingeschaltet worden war, bei Außentemperaturen von bis zu 40 Grad. Zwölf Migranten wurden in Krankenhäuser gebracht, fünf davon befanden sich gestern noch in kritischem Zustand.

Drei Personen sind seit Montag im Gewahrsam der Behörden, darunter vermutlich der Fahrer des Transporters. Während San Antonios Bürgermeister Ron Nirenberg bei einer Pressekonferenz von einer „schrecklichen menschlichen Tragödie“ sprach, wurden schnell weitere Einzelheiten bekannt. Der Fahrer hatte – nachdem er das Ausmaß erkannt hatte – offenbar zu Kühlzwecken die Tür teilweise geöffnet und war dann noch langsam weitergefahren. Mehrere der Menschen, die entlang der Straße tot gefunden wurden, waren dann aus dem Laderaum gerollt. Der Leiter der örtlichen Rettungskräfte betonte, die Überlebenden innerhalb des Lkw seien zu schwach gewesen, das Fahrzeug aus eigener Kraft zu verlassen. Wasser habe ihnen nicht zur Verfügung gestanden. Viele der Opfer waren mit einem stark riechenden Steaksalz bedeckt – ein offenkundiger Versuch der Transporteure, die Spürhunde an der Grenzkontrollstelle abzulenken.

Unter den Opfern befinden sich auch mehrere Kinder. Bei einem Teil der Toten soll es sich um Migranten aus Honduras handeln. Der Juni dieses Jahres war in San Antonio bereits zum heißesten Juni in der Stadtgeschichte geworden. Die Autobahn 35, die von der Grenzstadt Laredo durch San Antonio dann in Richtung Osten führt, gilt als beliebte Strecke für den Schmuggel von Migranten, die keine Einreiseerlaubnis haben. Menschenschmuggler verlangen teilweise fünfstellige Dollarbeträge von Migranten. Schon 2017 waren 39 Menschen in einem überhitzten Lkw-Laderaum gefunden worden, zehn von ihnen waren bereits tot. Der Fahrer wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Die Zahl der illegalen Grenzübertritte hat sich seit Amtsantritt von Präsident Joe Biden deutlich erhöht, da Festnahmen und Abschiebungen nicht mehr so konsequent wie unter Donald Trump durchgeführt werden. Die meisten Migranten werden auf freien Fuß gesetzt.

Die Tragödie von San Antonio löste deshalb auch umgehend eine politische Debatte aus. Greg Abbott, Republikaner und Gouverneur von Texas, gab dem Weißen Haus eine Mitschuld an den Toten und formulierte, sie seien das Resultat von Bidens „tödlicher Politik der offenen Grenze“. FRIEDEMANN DIEDERICHS

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