Geschichte wiederholt sich, auch in Bayerns unterhaltsamer Landespolitik. Ein Wahlalter-Gesetz soll den populären Münchner Oberbürgermeister aus dem Amt kegeln? Kennen wir, hatten wir schon vor zehn Jahren. Damals ertüftelte die CSU im Landtag für die Altersgrenzen der Bürgermeister ein Stufenmodell, dass mehrere CSU-Landräte nochmal ran durften – Münchens OB Ude (SPD) aber nicht. Nun rüttelt Udes Nachfolger Dieter Reiter an der Altersgrenze, weil er doch nochmal antreten mag. Die Aussicht, dass die CSU im Landtag diesmal nachgibt, ist winzig. Die Opposition hatte ganz am Anfang der Söder-Zeit 2018 mal ein Zeitfenster, um allerlei Amtszeiten und Altersgrenzen neu zu ordnen, damals bot er sogar eine Verfassungsänderung an – das verbummelte sie.
Dabei darf man über die Altersgrenzen schon streiten. Unsere Gesellschaft wird älter, mit 67 stehen viele Menschen topfit im Arbeitsleben. Gleichzeitig braucht Bayern erfahrene Kommunalpolitiker. Ihr Job klingt nicht so schillernd wie der eines Ministers für Gedings, ist aber mindestens so schwierig in einer gespaltenen Gesellschaft im Dauerkrisenmodus. Wer dafür die Besten haben will, darf starre Altersgrenzen hinterfragen. Die Wähler vor Ort können meistens am besten entscheiden, ob ihr Lokalpolitiker für sechs weitere Jahre Feuer hat.
Christian.Deutschlaender@ovb.net