VON GEORG ANASTASIADIS
Im Ukraine-Krieg feuern die Geschütze aus vollen Rohren. Und Putins Geschosse schlagen – jedenfalls propagandistisch – täglich bedrohlicher auch in Deutschland ein. „Katastrophale Folgen“ sagt uns der Kreml-Herrscher für den Fall voraus, dass die Sanktionen weitergehen. Ob die Drohgebärden um die heute beginnende Wartung der Pipeline Nord Stream1 nur das Vorgeplänkel zu einem noch umfassenderen Gaskrieg Russlands gegen Deutschland waren, wird sich in wenigen Tagen zeigen. In Berlin fürchtet man das Schlimmste. „Wir werden uns den Schneid nicht abkaufen lassen“, behauptet der Kanzler trotzig. Wirklich?
Putin weiß, wo er die wohlstandsverwöhnten Deutschen packen kann. Sie waren die Gewinnmaximierer der Globalisierung, die immerzu von Moral sprachen und sich zugleich den Demokratiehassern in Moskau und Peking mit Haut und Haar auslieferten. Viele wollen bis heute nicht wahrhaben, dass die Sorglosigkeit einen Preis hatte und Sicherheit und Unabhängigkeit noch nie in der Menschheitsgeschichte zum Nulltarif zu haben waren. Sie fühlen sich belästigt vom Freiheitskampf der Ukrainer. Und die Ärmeren fragen sich ja nicht zu Unrecht, ob sie nun die Zeche für die zu Ende gegangene Party begleichen müssen.
Schon fordern AfD und Linke unverblümt die Opferung der Ukraine auf dem Altar eines Diktatfriedens mit Putin, und auch in München werden die großen Kaliber aufgefahren. Markus Söder klagt die Regierung an, ihren Auftrag, „für warme Wohnungen, Energie und bezahlbares Essen zu sorgen, grundlegend zu verfehlen“. Das ist dreist, schließlich waren es 16 Jahre unionsgeführter Regierungen, die das Land zu Moskaus Gas-Geisel machten, und Bayern marschierte beim Atom-Aus und anderen Narreteien mit an der Spitze. Doch hofft der CSU-Chef darauf, dass die Bürger einen (anderen) Sündenbock suchen, jetzt, da das unhaltbar gewordene deutsche Geschäftsmodell zusammenbricht und die vom Philosophenkönig Habeck geweissagte nationale „Zerreißprobe“ beginnt.
Georg.Anastasiadis@ovb.net