Wie schön wäre ein einfaches und preiswertes Tarifsystem im Nahverkehr. Tickets, die über die Grenzen des regionalen Verkehrsverbundes hinaus gelten oder Fahrscheine, die sich bequem per App kaufen lassen und überall gelten. Wie gut das wäre, zeigt gerade das 9-Euro-Ticket. Über 30 Millionen davon wurden verkauft. Selbst Verkehrsminister Wissing von der anfangs skeptischen FDP spricht von einem großen Erfolg. Nun will er sich nach dem Auslaufen der Einmalaktion für ein bundesweit einheitliches Tarifsystem einsetzen. Doch an der Idee haben sich schon andere die Zähne ausgebissen. Schon beim 9-Euro-Ticket agieren die Nahverkehrsverbünde landauf, landab nicht einheitlich. Mal gibt es einen vierten Monat kostenlos dazu, mal dürfen Fahrräder mitgenommen werden. Die Verbünde lassen sich ungern hineinreden, schon gar nicht in ihre Tarifstrukturen. Denn dabei geht es stets auch um ihre Einnahmen. Bisher reicht es nicht einmal für eine gemeinsame Buchungsplattform, was angesichts der Fülle unterschiedlicher Tarife auch kein Wunder ist.
Wenn der Nahverkehr wirklich eine Verkehrswende bewirken soll, müssen Angebote und Preise erstens stimmen, zweitens vom Kunden her gedacht werden. Das weiß der Verkehrsminister natürlich auch, ebenso, dass er für einen bundesweit modernen Nahverkehr viel Geld aus der Bundeskasse beisteuern müsste. Um Aussagen dazu drückt er sich allerdings.
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