München – Öl, Gas, Wärmepumpe oder Holz? Die Frage, auf welche Heizung einer setzt, ist aus ökologischen und spätestens seit Beginn des Kriegs in der Ukraine auch politischen Gründen so bedeutend wie lange nicht – und macht nicht zuletzt auch einen immer stärkeren Unterschied im eigenen Geldbeutel. Gleichzeitig lässt sich – insbesondere als Mieter – die Energiequelle nicht einfach mal eben so austauschen. Ein Blick in Bayerns Heizungskeller.
Die aktuellsten Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) stammen aus dem Jahr 2019. Demnach setzten die Bayern in 39,9 Prozent ihrer Wohngebäude auf eine Öl-Zentralheizung – Erdgas-Zentralheizungen lagen mit 33,4 Prozent etwas dahinter. Fernwärme (6 Prozent), Elektro-Wärmepumpen (3,9 Prozent) oder Holz-/Pellet-Zentralheizungen (3,6 Prozent) spielten ein nachgeordnete Rolle. Insgesamt sind Öl (40,2 Prozent) und Erdgas (39,2 Prozent) die deutlich am meisten genutzten Energieträger.
Ein etwas anderes Bild an der Spitze ergibt sich, wenn man allein auf die Wohnungen blickt. Hier liegen Erdgas-Zentralheizungen mit 35,1 Prozent knapp vor den Öl-Zentralheizungen (34,9 Prozent). Auch hier liegen Erdgas (43 Prozent) und Öl (35,3 Prozent) als Energieträger deutlich vorne.
Eine Grafik des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) zeigt allerdings einen klaren Trendwechsel weg vom Öl. Demnach wurden im Jahr 2020 in Bayern 55 471 Neubauwohnungen fertiggestellt. Dabei griffen 35 Prozent auf Wärmepumpen und Geothermie zurück. 30 Prozent wurden mit einer Erd- oder Biogasanlage ausgerüstet, 20 Prozent wählten Fernwärme als Heizquelle, 12 Prozent Holz, 1 Prozent Strom und nur noch 1 Prozent Öl.
Zudem nutzen die Bayern vergleichsweise oft (31,8 Prozent) zusätzliche Heizquellen – insbesondere, wenn sie in Ein- oder Zweifamilienhäusern leben (37,5 Prozent). Die beliebteste Zweit-Heizquelle ist in diesen Haushalten der Kamin (40,8 Prozent) vor dem Holz-/Pellet-Ofen (27,6 Prozent) und der Stromdirektheizung (17,2 Prozent). Solarthermie nutzen 8,6 Prozent der Ein- und Zweifamilienhäuser zur Heizungsunterstützung.
Was zudem auffällt: In Bayerns Wohngebäuden werden bundesweit die ältesten Heizungen verwendet. 19 Jahre hatten sie 2019 im Durchschnitt auf dem Buckel. Bei den Erdgasanlagen befindet sich der Freistaat zwar mit durchschnittlich 14,1 Jahren noch im Mittelfeld. Hier verwendet Sachsen-Anhalt mit durchschnittlich 18 Jahren die ältesten Anlagen. Dafür ist Bayern bei den Ölheizungen mit einem mittleren Alter von 26,5 Jahren klar das Schlusslicht.
Anders als beim Heizen spielt Gas beim Kochen in Bayern eine geringe Rolle. Mehr als 90 Prozent setzen in der Küche auf einen Elektroherd. Nur rund 9 Prozent verwenden einen Gasherd. S. HORSCH