München – Bei einem Sprengstoffanschlag ist die Tochter des weltweit einflussreichen russischen Rechtsextremisten Alexander Dugin ermordet worden. Die 29-jährige Journalistin Darja Dugina galt als glühende Verfechterin des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und stand wegen der Verbreitung von Propaganda und Falschnachrichten auf der Sanktionsliste Großbritanniens. Offenbar hatte der Anschlag aber ihrem Vater gegolten, der wegen seines großen Einflusses auf den russischen Präsidenten auch „Putins Einflüsterer“ oder „Putins Gehirn“ genannt wird.
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax hatten Dugin und seine Tochter am Samstag gemeinsam das patriotische Festival Tradition besucht, das von einer Stiftung des Präsidenten unterstützt wird. „Es war geplant, dass Vater und Tochter das Festival gemeinsam verlassen, Darja fuhr aber schließlich allein in dem Fahrzeug“, so Interfax.
Unter russischen Nationalisten und prorussischen Kräften in der Ukraine löste der Anschlag Entsetzen aus. „Die Terroristen des ukrainischen Regimes haben versucht, Alexander Dugin zu liquidieren und haben seine Tochter in die Luft gesprengt“, schrieb der Anführer der Separatistenhochburg Donezk, Denis Puschilin, auf Telegram. Darja bleibe in Erinnerung – als „echtes russisches Mädchen“.
Der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak wies eine Beteiligung Kiews zurück: „Die Ukraine hat natürlich mit der gestrigen Explosion nichts zu tun, weil wir kein krimineller Staat sind – wie die Russische Föderation – und schon gar kein Terrorstaat.“
Alexander Dugin, von 1994 bis 1998 Co-Vorsitzender der mittlerweile verbotenen Nationalbolschewistischen Partei Russlands, ist der Kopf der neuen Rechten Russlands, die eine strikte Abkehr Eurasiens vom aus ihrer Sicht „dekadenten“ Westen propagiert. Anlässlich des Ukraine-Kriegs 2014 rief Dugin zum Mord an Unterstützern der ukrainischen Regierung auf: „Töten, töten, töten, das ist meine Meinung als Professor.“
Dugin selbst sieht sich als Prophet und Putin als „lichtbringenden“ Messias. Dabei stand der Nazi-Philosoph Putin früher durchaus kritisch gegenüber, als der Kremlherr sich noch eher am Westen orientierte. Dugin sieht es „als sehr russisch“ an, das, was heute passiert, in der apokalyptischen Dimension zu betrachten“: „Wenn es unmöglich ist, das Schicksal zu vermeiden, ist es in der Zeit des Weltuntergangs wichtig, auf der richtigen Seite zu stehen. Auf unserer.“ K. RIMPEL