Zum Tod der Queen

Das Vermächtnis der Unermüdlichen

von Redaktion

VON DIRK IPPEN

Das letzte Bild von ihr ist vielleicht das anrührendste, das wir in den über 70 Jahren ihrer Herrschaft sehen durften. Am vergangenen Dienstag beauftragt die 96-Jährige, mit Mühe aufrecht stehend, die neue Premierministerin Liz Truss, eine Regierung zu bilden. Truss war ihr 15. Premier, der erste war Winston Churchill. Und so sehen wir die Unermüdliche drei Tage vor ihrem Tod wie immer lächelnd, die Handtasche in der Hand. Ein Vorbild von harter Arbeit, Zuwendung und Würde. Sie hat nicht nur den Briten, sondern der ganzen westlichen Welt über 70 Jahre Stabilität gebracht. Damit war sie auch unsere Königin. Und das nicht nur wegen ihrer deutschen Vorfahren.

Schon im Krieg hat sie als junger Teenager im BBC Auslandssender einmal die dort arbeitenden deutschen Emigranten besucht. Eine junge Repräsentantin der Freiheit gab Deutschen aus dem verfemten Land die Hand. Ihre Krönung 1953 war dann das erste große Fernsehereignis in Deutschland wie in der Welt. Es war auch das erste Mal nach dem Krieg, dass Massen deutscher Anhänger des Königshauses in die britische Hauptstadt kamen.

Die Besuche der Königin bei uns waren Staatsereignisse und Feste voller Heiterkeit überall, wo sie sich zeigte. Privat reiste sie auch zu den deutschen Verwandten ihres Mannes Philip im Schwäbischen. In Norddeutschland ging sie gerne auch dorthin, wo sie ihre große Liebe zum Pferd leben konnte.

Wer 70 Jahre lang die Bürde der Königskrone trägt, dessen Leben verläuft aber nicht nur in Heiterkeit. „Schwer ruht das Haupt, das eine Krone trägt“, heißt es schon bei Shakespeare. Diese Königin war eine starke, hart arbeitende Frauenfigur. Sie hat gezeigt, was lebenslange Pflichterfüllung bedeutet. Wer so ein Leben führt, kann nicht allen nur Zuwendung und Wärme geben. Dramen der königlichen Familie haben sie in ihrem langen Leben wiederholt begleitet. So fehlt auch in diesem Herrscherleben die tragische Note nicht. Immer aber ist es ihr gelungen, durch ihr unerschütterliches Vorbild das Ansehen der Monarchie zu wahren, den Zusammenhalt aller zu stärken. Wir Deutsche haben besonderen Grund, voller Dankbarkeit um sie zu trauern. Queen Elizabeth II. hat uns nach den Verwüstungen der Hitler-Zeit schon früh die Hand zur Versöhnung gereicht.

Wir verabschieden uns von einer Königin, die am Ende fast wie eine Heilige war. Ihr Beispiel wird über den Tod hinaus wirken. Wahrlich königlich hat sie sich benommen. Möge sie ruhen in Frieden.

Dirk.Ippen@ovb.net

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