Eklat beim Synodalen Weg

Es geht um die Zukunft der Kirche

von Redaktion

VON CLAUDIA MÖLLERS

Vielleicht war es gut, dass das Desaster gleich am ersten Tag der Vollversammlung des „Synodalen Wegs“ in Frankfurt geschah: Eine Minderheit von 21 Bischöfen hat das Papier zur Sexualmoral überraschend zu Fall gebracht. Fassungslose Gesichter, Tränen, Zorn und grenzenlose Enttäuschung gab es bei den Laien, die sich vor zweieinhalb Jahren mit den katholischen Bischöfen auf den Reformweg gemacht haben. Verärgerung auch bei den 61,1 Prozent der Bischöfe, die für den Text gestimmt hatten.

Eine Minderheit von Realitätsverweigerern im deutschen Episkopat hat das Reformvorhaben mit Absicht an den Rand des Scheiterns gebracht. Statt sich an den Beratungen über den Text im Vorfeld zu beteiligen und ihre Bedenken offen zu äußern, haben sie versteckt in der Anonymität der Abstimmung die Bombe platzen lassen. Sie wollten sich dem Druck der Debatte nicht aussetzen, ließen einige der Bischöfe später verlauten. Was sind denn das für Zeugen des Glaubens? Kneifen vor der öffentlichen Diskussion und retten sich dann mit dem Rückgriff auf ihre Autorität. Damit haben sie deutlich gemacht, dass sie grundsätzlich keine Reformen in der Kirche wollen. Ein solches Beharren auf Autorität macht einsam.

Dieser Abstimmungsschock bot die Gelegenheit, in weiteren Debatten die Bedenkenträger aufzufordern, ihre Widerstände früher zu äußern, damit eine echte Auseinandersetzung gelingt. Diese Chance haben die Bischöfe am Abend beim Votum übers Frauenpapier ergriffen und es mit Zweidrittelmehrheit angenommen. In letzter Sekunde wurde ein Scheitern des Synodalen Wegs vermieden. Das Reformvorhaben ist vorläufig gerettet.

Claudia.Moellers@ovb.net

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