Oberbayerische Erinnerungen an die Königin

von Redaktion

VON A. STEPPAN, P. SCHIEBEL, D. GÖTTLER UND K. BRUMBAUER

München – Als am Donnerstagabend die Nachricht vom Tod von Queen Elizabeth II. um die Welt ging, konnte Elisabeth Fritz die Augen nicht mehr von ihrem Fernseher lassen. „Ihr Tod hat mich sehr, sehr berührt“, sagt die 84-jährige Tölzerin. Denn sie verbindet eine ganz besondere Erinnerung mit der britischen Königin.

Im Jahr 1953 brach die damals 15-jährige Auszubildende zu einer ungewöhnlichen Reise auf. Sie war vom Bayerischen Jugendring für einen internationalen Jugendaustausch ausgewählt worden. Und konnte so die Krönungsfeierlichkeiten der jungen Elizabeth in erster Reihe miterleben. Einige Tage später traf sie sogar die Königin im Rahmen des Jugendaustauschs. „Wir machten unseren Hofknicks, und sie gab uns auch die Hand.“ Von da an war ihr die Queen ans Herz gewachsen. Und die Erinnerung an diese außergewöhnlichen Tage bleiben für immer – auch wenn die Queen nun gehen musste. Elisabeth Fritz sagt: „Ich gönne ihr den Frieden.“

Nicht nur zu Hause bei Elisabeth Fritz in Bad Tölz wird die Erinnerung an Queen Elizabeth II. hochgehalten. Viele Menschen in ganz Bayern gedenken der verstorbenen Monarchin. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ordnete am Freitag Trauerbeflaggung für alle staatlichen Dienstgebäude in München an. In der Hofkapelle der Residenz wurde ein Kondolenzbuch für die Queen ausgelegt. Und dann sind da natürlich die vielen Briten und Anglophilen in Bayern, die ihre ganz eigenen Erinnerungen an Elizabeth II. im Kopf behalten.

So wie Barbara Zellmer aus Starnberg. Die 76-Jährige arbeitete bei einem Münchner Blumengeschäft, als die Queen im Mai 1965 München besuchte. Vom damaligen Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel kam der Auftrag für einen Blumenstrauß aus gelben Teerosen. Zellmer wurde losgeschickt, um die Blumen ins Rathaus zu bringen. Ein Sicherheitsmitarbeiter nahm ihr die Blumen ab – doch einen kurzen Blick auf die Queen mit OB Vogel und Ministerpräsident Goppel konnte Zellmer noch erhaschen, bevor es zurück ins Geschäft ging. Als sie nun die trauernden Menschen vor dem Buckingham-Palast im Fernsehen sah, erinnerte sie sich sofort an eine London-Reise zum 60. Geburtstag der Queen – und die prächtige Parade vor dem Palast.

Geschockt war auch Phoebe Stevenson Strodl, als die Eilmeldungen über den Tod der Queen auf ihrem Handy aufploppten. Die junge Britin hat einen Garmisch-Partenkirchener geheiratet und lebt nun am Fuß der Zugspitze. Aber ihre Familie hat eine Verbindung zum britischen Königshaus. Phoebes Vater führt in England eine Firma, die Holzschaukelpferde herstellt – und durfte Elizabeth II. schon mehrfach bei besonderen Anlässen eines seiner Exemplare überreichen. Wäre sie jetzt in England, sagt Phoebe Stevenson Strodl, „dann wäre ich auch mitten in der trauernden Menge“. Und auch wenn ihr Heimatland trauere: Mit 96 Jahren könne die Queen nun endlich bei ihrem Philip sein.

Zwei Mal ist Ingrid Versen aus Bad Wiessee am Tegernsee der Königin persönlich begegnet – und zwar in ihrer Funktion als Gründerin und Vorsitzende der Hillary-Stiftung in Deutschland, die nach dem Mount-Everest-Erstbesteiger Sir Edmund Hillary benannt ist. Bei einer Hillary-Gedenkfeier war es auch, als Versen 2008 auf Schloss Windsor eingeladen wurde. Die fand statt, obwohl Prinz Philip nur eine Stunde zuvor im Schloss zusammenbrach und ins Krankenhaus gebracht wurde. „Ich habe das eiserne Pflichtbewusstsein und die fast übermenschliche Disziplin der Queen unendlich bewundert“, sagt Versen. Gleichzeitig konnte Elizabeth aber auch herzlich lachen, wie Versen bei ihrem zweiten Treffen im Mai 2013 erlebte. „Diese unbeschwerte Freude werde ich für immer in meinem Herzen tragen, wenn ich an die körperlich kleine, aber große Queen von England denken werde.“

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