„Sie war für mich eine Institution“

von Redaktion

Eduard Prinz von Anhalt über die Queen und seinen Cousin Charles, den neuen britischen König

Berlin – Eduard Prinz von Anhalt (80) ist Oberhaupt des Hauses Askanien – mit tausendjähriger Geschichte, auch wenn er sich inzwischen mit 60 adoptierten Trägern seines Namens herumschlagen muss. Der Journalist, Moderator und Buchautor lebt in Berlin, seine Heimat aber ist Sachsen-Anhalt, und er ist direkt mit dem britischen Königshaus verwandt.

Als die Queen am Donnerstagnachmittag friedlich entschlafen ist, wurde Eduards Cousin, Prince Charles, König. „Ich war darauf vorbereitet – durch meine Verbindung wurde mir telefonisch mitgeteilt: London Bridge is falling down, das hieß, dass die Queen im Sterben liegt“, berichtet Eduard von Anhalt, der bis zur Wende und seinem Kampf um die Rückgabe des ehemaligen Familienbesitzes in Sachsen-Anhalt an der Isar lebte und ein lebenslustiges Mitglied der Münchner Society war.

Prinz Eduard trauert um die Queen, aber ein bisschen stolz ist er auch, „dass mein Cousin nun König ist“, wie er am Telefon gesteht – auf dem Weg zu einer Lesung seiner Familienchronik. Die verwandtschaftliche Verbindung geht weit zurück, doch für König Charles III. ist Eduard sein Cousin. „Mein Onkel Aribert von Anhalt war mit der jüngsten Enkelin von Queen Victoria, Maria Louisa von Schleswig-Holstein, verheiratet.“ Und Königin Victoria (1819 –1901) war die Ururgroßmutter von Elizabeth II.

Die Beziehung ist so eng, dass Eduard von Anhalt zu allen großen Familienanlässen nach London oder Windsor eingeladen wird, zuletzt zur Beisetzung von Prinz Philip, mit dem er sich besonders gut verstanden hat. „Wir sind gern und oft zusammengesessen – er hat dann mit mir Deutsch gesprochen. Und er hat mir beigebracht, dass Rosé für ältere Herren bekömmlicher als Weißwein ist.“

Als Philip vergangenes Jahr starb, war Prinz Eduard klar, dass Königin Elizabeth II. bald folgen würde. „Wenn man die beiden gesehen hat, wie er wie ein Fels hinter ihr stand, war damit zu rechnen.“ Eduard von Anhalt verehrte die Queen: „Sie war für mich eine Institution, die ich jedem Land nur wünschen würde – so viel Liebe wie sie gegeben hat. Sie hat 15 Premierminister erlebt und mit ihnen zusammengearbeitet – egal, ob eher links oder rechts, ohne ihre Unterschrift wäre keine Entscheidung rechtskräftig geworden. Und obwohl sie sich nicht in die Politik einmischen durfte, sie hat sich mit jedem Thema intensiv auseinandergesetzt.“ In ihren Privaträumen aber sei die Queen ganz Ehefrau, Mutter und Großmutter gewesen. „Da hat sie ein Leben wie jede Bürgerliche geführt und auch selbst den Tee gekocht.“

Zu Charles hat Eduard Prinz von Anhalt ein vertrautes Verhältnis. „Er kommt mit Camilla auch gern mal inkognito vorbei – ohne Sicherheitsleute.“ Und vor drei Jahren pflanzte Prince Charles in Eduards Heimat einen Baum: im Wörlitzer Gartenreich, heute Weltkulturerbe und einst Besitz derer von Sachsen-Anhalt. Ob Prinz Eduard zur Beisetzung der Queen reisen wird, ist noch offen. Er muss sich immer entscheiden, welche Rolle er einnehmen will: ob als Adelsexperte für einen TV-Sender oder als privater Gast – das dürfte nie vermischt werden, das würde zum Bruch mit den Royals führen. ULRIKE SCHMIDT

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