So weint die Welt um Elizabeth

von Redaktion

VON SILVIA KUSIDLO UND CHRISTOPH MEYER

London – John Loughrey ist das, was man einen „royalen Superfan“ nennt. Loughrey ist sich sicher, dass es bei der Queen wie mit den Schwänen ist: Sie folgen ihren Partnern in den Tod. Prinz Philip war im April letzten Jahres mit 99 verstorben. „Es ging abwärts bei ihr, als der Herzog von Edinburgh starb“, sagt Loughrey. „Sie waren wie zwei Schwäne.“ Er will zehn Tage vor dem Palast campen, bis zum Staatsbegräbnis. Und dann eine Kerze in der Westminster Abbey anzünden. Dort findet die Trauerfeier mit der Königsfamilie, Staatsoberhäuptern und Mitgliedern anderer europäischer Königsfamilien statt.

Scott Thomas ist sofort aus dem walisischen Cardiff nach London gereist, als er vom Tod seiner Königin erfuhr. Er hat Sonnenblumen dabei. Die Queen habe viel für die Rechte von Homosexuellen wie ihm getan, sagt der 31-Jährige. „Ich will ihr Respekt zollen, das ist das Mindeste, was ich tun kann.“ Vor den Palästen in London und Windsor sowie in Schottland, wo die Königin verstarb, legten Bürger Blumen ab. Glocken läuteten, Salutschüsse ertönten, auch an der Tower Bridge. 96 Schüsse – einer für jedes Lebensjahr der Queen.

Rund um den Globus zollten Politiker der Königin, die 70 Jahre auf dem Thron war, Respekt. Bundeskanzler Olaf Scholz würdigte Elizabeth II. als „Vorbild und Inspiration für Millionen, auch hier in Deutschland“. US-Präsident Joe Biden nannte die Queen eine einzigartige Staatsfrau und „mehr als eine Monarchin“. Wie auch in Großbritannien und in den USA wird die Flagge der Vereinten Nationen die nächsten Tage auf Halbmast wehen. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sprach von einem großen Verlust für das britische Volk, sogar in Moskau legten Menschen Blumen vor der britischen Botschaft ab.

Trauer herrscht auch in weiteren Staaten, die früher zu Großbritannien gehörten und heute im Verband Commonwealth vereint sind. Die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern würdigte das „unerschütterliche Pflichtbewusstsein“ der Monarchin. Der australische Premierminister Anthony Albanese hob ihre ruhige Ausstrahlung hervor. In Brasilien, kein Commonwealth-Land, wurde eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.

An Plätzen in Großbritannien hatten sich schon am Donnerstag tausende Menschen versammelt, Blumen niedergelegt oder die Nationalhymne „God Save the Queen“ gesungen. Viele brachen in Tränen aus, als die Flagge am Buckingham-Palast herabgesetzt wurde. Das Empire State Building in New York leuchtete als Tribut an die Queen lila und glitzerte silbern. In Rio de Janeiro war die Christus-Statue in den Farben Rot, Blau und Weiß angestrahlt. In Paris wurden zu Ehren der Queen in der Nacht die Lichter am Eiffelturm ausgeschaltet.

Die 1926 geborene Queen wurde 1952 Königin. Damals war Großbritannien noch eine Kolonialmacht. 1997 wurde als letzte größere Kolonie Hongkong an China übergeben. Durch den Commonwealth pflegte die Queen später weiterhin den Kontakt zu den ehemaligen Territorien. Sie absolvierte hunderte Auslandsreisen, auch mehrere nach Deutschland.

Am Donnerstag endete ihre lange Reise. Gegen 19.30 Uhr unserer Zeit gab der Buckingham Palace ihren Tod offiziell bekannt. Die neue britische Premierministerin Liz Truss hatte aber offenbar schon zwei Stunden vorher davon erfahren.

Wie britische Medien berichten, hatten es nur der neue König Charles (73) und Prinzessin Anne (72) rechtzeitig auf den schottischen Landsitz Schloss Balmoral geschafft, um sich von ihrer Mutter zu verabschieden. Prinz Harry (37), sein Bruder William (40) und die Prinzen Andrew (62) und Edward (58) trafen erst später ein.

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